Bohemian Betyars: AKÁRKIFIA
Label und Vertrieb: Gallus Hirundo
Bohemian Betyars
Di, 14. Juli 2026, 20.15 Uhr
Sommerfestival der Kulturen
Marktplatz, S-Mitte
Eintritt frei
Bohemian Betyars: AKÁRKIFIA
Lebensfreude, Unangepasstheit und ein Hauch Melancholie prägen seit jeher die Musik der Bohemian Betyars. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat sich die sechsköpfige Band aus Budapest mit ihrem selbsternannten Speed-Folk-Freak-Punk weit über die Grenzen Ungarns einen Namen gemacht. Ungarische Folklore, Balkanrhythmen, Roma-Einflüsse und Punk verschmelzen dabei zu einem ebenso eigenwilligen wie mitreißenden Klangkosmos. Auch ihr Name ist Programm: Bohém steht für eine unkonventionelle Lebenshaltung, die sich bewusst gesellschaftlichen Normen widersetzt, während Betyár an Volkshelden erinnert, die für soziale Gerechtigkeit kämpften.
Zwischen Freiheitsdrang, Optimismus und einer gehörigen Portion Widerstandsgeist legen die Bohemian Betyars mit AKÁRKIFIA ein Album vor, das diese Haltung eindrucksvoll widerspiegelt. Mit HAMU beginnt das Album überraschend folkloristisch und führt behutsam in die Klangwelt ein. Lange hält die Zurückhaltung jedoch nicht an. Der Titelsong Akárkifia („Wer auch immer“) entfaltet mit hohem Tempo, punkiger Attitüde und markantem Sprechgesang jene unbändige Energie, die zum Markenzeichen der Band geworden ist. Umso bemerkenswerter sind die ruhigeren Momente des Albums. Mit Magam sem tudom („Ich weiß es selbst nicht“) und Úgy esett („Es kam so“) folgt ein gelungener Kontrast zu den kraftvollen und bewusst lauten Stücken zu Beginn. Gerade diese Vielseitigkeit erweist sich als große Stärke von AKÁRKIFIA und zeugt einmal mehr von der Wandlungsfähigkeit der Band.
Wer die rohe, lebensbejahende Energie der Bohemian Betyars live erleben möchte, hat dazu am 14. Juli Gelegenheit. Dann gastieren sie beim Sommerfestival der Kulturen und dürften dort erneut zeigen, warum sie zu den außergewöhnlichsten Vertretern der europäischen Folk-Punk-Szene zählen.
Freshlyground: Take me Home
Label: Bridgenorth Music
Freshlyground
Mi, 15. Juli 2026, 18.00 Uhr
Sommerfestival der Kulturen
Marktplatz, S-Mitte
Eintritt frei
Freshlyground: Take me Home
Südafrikas Geheimwaffe bei seiner Charme-Offensive für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hieß Freshlyground. Die sechsköpfige Band aus Kapstadt steuerte nicht nur zusammen mit Shakira den offiziellen WM-Song Waka Waka bei, sie hat seit ihrer Gründung auch frischen Wind in die Musikszene ihrer Heimat gebracht.
Nun meldet sich eine der beliebtesten Bands Südafrikas nach sechs Jahren Pause mit einem neuen Album zurück und knüpft mit ihrer neuen Leadsängerin Mbali Makhoba und gewohnt eingängigen Melodien an alte Zeiten an. Rhythmische Afrobeats wechseln sich ab mit ruhigeren Stücken, in denen die 2002 in Kapstadt gegründete Band auch mal in die Kuschelecke lockt. Gleichzeitig strahlen die Songs eine selbstverständliche und einnehmende Lebensfreude aus. Sie sind das Ergebnis einer Stilmischung, die ihre Ursprünge in der traditionellen südafrikanischen Musik hat, aber auch Elemente aus dem Afropop, Soul, Rock, Jazz, Folk, Dance und Ethno enthält. Mal sanft, mal härter, mal abgrundtief entspannt schmeicheln sich die legeren Off-Beats schnell ins Ohr und erinnern an eine Zeit, als Musiker wie Hugh Masekela und Manu Dibango modernere Rhythmen mit afrikanischer Roots-Musik verbanden. Gleichzeitig ist Freshlyground eine der wenigen gemischten Bands im Nach-Apartheid-Staat, in dem Schwarz und Weiß noch immer eher nebeneinander als miteinander leben. Und in dem das Streben nach Harmonie größer ist als je zuvor. Die Texte auf Englisch und in Xhosa handeln vom Alltag, aber auch dem Überlebenskampf, der sich viele Jahre nach der demokratischen Wende am Kap weiterhin als „weiß“ oder „schwarz“ ausdrückt.
Die Band-Mitglieder, die aus unterschiedlichen Ländern wie Südafrika, Mosambik und Simbabwe stammen, verkörpern die Regenbogen-Nation mit all ihren Widersprüchen und Gemeinsamkeiten und setzen die Freshlyground-Erfolgsgeschichte mit diesem Album auf eindrucksvolle Weise fort.
Cacao Munch: Es Tiempo
Cacao Munch
16. Juli 2026, 18.00 Uhr
Sommerfestival der Kulturen
Marktplatz, S-Mitte
Eintritt frei
Workshop mit Cacao Munch
Fr, 18. Juli 2026, 10–15 Uhr
Laboratorium, S-Ost
www.forum-der-kulturen.de
Cacao Munch: Es Tiempo
Wer bei lateinamerikanischer Musik lediglich an Sommerhits und gute Laune denkt, wird auf Es Tiempo („Es ist Zeit“) zwar reichlich davon finden, aber eben nicht nur. Die Band Cacao Munch aus Bogotá verbindet auf diesem Album traditionelle Rhythmen mit Rock, Funk und Hip-Hop und verleiht ihnen einen unverwechselbaren urbanen Charakter. Hinter der ansteckenden Energie des Albums stehen immer wieder persönliche Geschichten, Liebeslieder und Reflexionen über gesellschaftlichen Wandel. Zwischen urbanen Einflüssen und tropischen Rhythmen entwickelt die Band dabei ihren ganz eigenen Klang.
Bereits der Opener Rodando gibt die Richtung vor. Mit Mala Hierba zieht das Tempo weiter an. Rap, treibende Percussion und markante Gitarren verleihen dem Stück zusätzliche Dynamik. Mit Bombón de Luna, gemeinsam mit Adry La Fantastica, erhält das Album eine weitere Klangfarbe. Die weibliche Stimme erweitert den Sound und macht den Song zu einem echten Sommerhit. Das ruhige Flötensolo setzt einen beinahe schwebenden Akzent. Ähnlich ansteckend wirkt La Resaca, dessen Rhythmus und Lebenslust unmittelbar überspringen. Einen ruhigeren Ton schlägt Quise ein. Gemeinsam mit Lion Reggae entsteht ein Liebeslied, in dem die Natur zum Resonanzraum unausgesprochener Gefühle wird. Das Gitarrensolo trägt eine deutliche Latin-Rock-Note und erinnert an Carlos Santana.
Besonders eindrucksvoll gerät Cumbia Roja. Mit der Zeile „Cumbia, himno de mi raza“ wird die Cumbia, eines der prägendsten Musik- und Tanzgenres Lateinamerikas, als Ausdruck kultureller Identität und Gemeinschaft gefeiert. Gerade darin liegt die Stärke von Es Tiempo. Mit bemerkenswerter Leichtigkeit verbinden Cacao Munch Tradition und Gegenwart, urbane Einflüsse und folkloristische Wurzeln. So entsteht eine lebendige musikalische Gegenwart.
Las Baklavas: EP
Eigenproduktion
Vertrieb (digital): Wiseband
Las Baklavas
Mi, 15. Juli 2026, 18.00 Uhr
Sommerfestival der Kulturen
Marktplatz, S-Mitte
Eintritt frei
Las Baklavas: EP
Auf ihrer im Oktober 2025 erschienenen EP schaffen Las Baklavas eine eigenständige Klangwelt, in der akustische und elektronische Instrumente, Rap, polyphone Gesangsharmonien sowie Einflüsse von Jazz bis Techno verschmelzen. Das Kollektiv aus fünf Musikerinnen und einem Musiker verbindet moderne und traditionelle Elemente und rückt weibliche Stimmen und Erfahrungen in den Mittelpunkt. Denn noch immer werden Frauen häufig über ihr Äußeres wahrgenommen, während ihren Perspektiven weit weniger ernsthaft zugehört wird. Gegen diese Mechanismen richtet sich die Musik von Las Baklavas: unbequem, selbstbewusst und kompromisslos.
Dicen („Sie sagen“) wirkt wie eine Konversation oder ein Poetry Slam. Wer bestimmt eigentlich, wie Frauen zu sein, sich zu kleiden oder zu verhalten haben? Und wem dienen diese Konventionen überhaupt? Der Track verdichtet diese Widersprüche in dem Paradoxon zwischen „Du redest zu viel“ und „Warum sagst du nicht Hallo?“. Musik erweist sich dabei als Mittel, solche Strukturen sichtbar zu machen und aufzubrechen. Kreativ gestaltet sich auch der Übergang zwischen Spanisch und Französisch über das Wort bien, das den fließenden Wechsel zwischen beiden Sprachen ermöglicht.
Dieser spielerische Umgang mit Sprache verweist auf kulturelle Überschneidungen und macht hörbar, wie eng unterschiedliche Traditionen und Ausdrucksformen miteinander verwoben sind. Dabei fungieren die Stimmen nicht nur als Trägerinnen der Texte, sondern selbst als Instrumente. Auch Jarnana, inspiriert von albanischer Volkstradition, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Das Stück wirkt beinahe hymnisch, wie eine Kampfansage, bestimmt und unbeirrbar. So gelingt Las Baklavas eine EP, die musikalische Vielfalt mit gesellschaftlicher Haltung verbindet und gerade deshalb lange nachhallt.
Da Cruz: Som Sistema
Label: Boom Jah Records
Da Cruz
Fr, 17. Juli 2026, 18.30 Uhr
Sommerfestival der Kulturen
Marktplatz, S-Mitte
Eintritt frei
Da Cruz: Som Sistema
Ihre Melodien sind einfach und zuweilen etwas sperrig, sie sind mal hart und aggressiv, dann wieder in sich zurückgezogen und werden vor allem von ihrer Stimme getragen. Wenn sie sich erhebt, wenn sie ihre rebellischen Statements gegen Hass und politische Kurzsichtigkeit zwischen die Beats schleudert, wenn sie sich rappend mit der Gegenwart auseinandersetzt und Vintage-Synthesizer, Sequenzer und Drumcomputer mit einbezieht, dann hat die Musik von Mariana Da Cruz eine Kraft, die unwillkürlich zum Tanzen animiert.
Die brasilianische Rapperin erkundet mit ihrem neuen Album Som Sistema ihre afrikanischen und brasilianischen Wurzeln auf ihre Weise. Sie nimmt einen mit auf einen leidenschaftlichen Schnellkurs durch die neuesten Entwicklungen der modernen schwarzen Musik. Da gibt es Baile Funk, als Erinnerung an die ausgelassenen Ursprünge der brasilianischen Partykultur. Einige afrikanische Ausflüge beziehen sich auf die Klangkultur des südafrikanischen Amapiano, und diverse Mischformen wie karibischer Shatta und neue afrikanische Clubmusik präsentieren einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten rhythmischer Klanggestaltung. Die Musik ist geprägt von rhythmischer Dynamik voller Aufruhr und Energie, verwegenen Intonationen und knalligem Sprechgesang. Bei einem Titel rappt die teilweise in der Schweiz lebende Brasilianerin mit dem britisch-nigerianischen Rapper Magugu, der mit seiner tiefen Stimme für zusätzliche Akzente sorgt. Gelungen ist auch der Stilmix, der nach mancherlei Ausflügen in die Gefilde des Disco-Flair wieder zu den brasilianischen Wurzeln zurückfindet.
Diese Ballung aus eindringlichen Botschaften, in sich kreisenden Raplinien und perkussiven afrikanischen und brasilianischen Klangkulissen ist ein echtes Hörerlebnis.
BCUC: The Road Is Never Easy
Outhere Records
BCUC: The Road Is Never Easy
Ihr Bandname verweist bewusst auf die Suche nach Freiheit und die Herausforderungen des Lebens im modernen Südafrika, wo „30 Jahre nach dem Ende der Apartheid die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft noch immer nicht erfüllt sind“. Das Septett BCUC, das mit vollständigem Bandnamen Bantu Continua Uhuru Consciousness heißt, bietet auf ihrem fünften Album The Road Is Never Easy einen Mix aus Rap, Gospelgesängen, Afro-Psychedelia, Raggamuffin und Straßenmusik, die das Lebensgefühl in der südafrikanischen Stadt prägen.
Neben viel Gospel-Spiritualität mit überwiegend auf Zulu gesungenen Texten gibt es vor allem basslastige, rhythmische Musik in bester Afrobeat-Tradition zu hören. Die Musik wechselt zwischen einem minimalistischen Setup und perkussiv dominierten Rapnummern wie das treibende Umdumakhanda oder das siebenminütige Amakhamandela mit einem durchgehend mitreißenden Groove. Aus Rap, Gospel und Pop schöpft die Band Grundierungen: Schlagzeug und E-Bass mischen in der Rhythmik mit und stehen häufig im Vordergrund. Gleichzeitig sind es stets die traditionellen Reminiszenzen, die im Fokus stehen. Einzelne Strophen entfalten individuelles Timbre und ein immenses Klangvolumen. Dem mehrstimmigen Gesang folgt der Griff zu Instrumenten, neben Bass und Congas auch Marching Bass Drums und Whistles. Ergänzt werden die gesellschaftspolitischen Botschaften, häufig in der Gesangstradition der Zulu präsentiert, durch moderne, treibende Rhythmen, frühe Gospels und Spirituals sowie südafrikanische Chants.
Eingespielt wurden die zehn Songs in einem ehemaligen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in München, der zu einem Tonstudio umgebaut wurde. Nachträglich wurden dann im Fourways Studio in Johannesburg noch Overdubs und Backing Vocals hinzugefügt. Das Album ist ein beeindruckendes Laboratorium für Musikstile aus den unterschiedlichsten Regionen und kulturellen Kontexten des südlichen Afrika sowie eine Reise durch diverse Klangfarben Sowetos.
Souad Massi: Zagate
Backing Tracks/Galileo
Souad Massi: Zagate
Seit der Jahrtausendwende hat die Franko-Algerierin Souad Massi Album für Album ihre Position als Grande Dame des arabischen Liedes gefestigt, wobei auch immer französisches Chanson und Rock Eckpfeiler ihrer Klangsprache waren. Das ist auf dem neuen, ihrem bereits neunten Werk, nicht anders.
Vor vier Jahren arbeitete sie für Sequana erstmals mit dem Produzenten Justin Adams. Der Brite führt auch dieses Mal Regie, und er legt als Spezialist für Wüstenblues vor allem die rhythmische Ausgestaltung wuchtig an. Zum Intro gibt es ein Afrobeat-Riff à la Fela Kuti, über dem sich eine heisere Schalmei erhebt, in „Congo Connection“ erhebt sich zu kantigen Gnawa-Beats die Stimme des kongolesischen Rappers Youssoupha. Ruppigen Berber-Rock gibt es im Titelstück mit viel Gitarren-Testosteron, nicht nur eine Reminiszenz an Massis Jugend in einer Hardrock-Combo, sondern auch eine zornige Anklage an alle Kriegstreiber.
Die arabischen Einflüsse kommen auf Zagate bei alldem nicht zu kurz: Oud und Flöten sind organisch eingebettet in die Band, und ein klangliches Highlight ist der schnurrende Viola D’Amore-Sound des Tunesiers Jasser Haj Youssef in einer beeindruckenden Friedens-Rezitation des arabo-andalusischen Philosophen Ibn Ruschd. In ein paar stillen Momenten schließlich rekurriert Massi in ihre folkige Frühzeit, etwa mit der wunderbaren Ballade Tili, bevor sie im Auslauf der Scheibe zu einem galoppierenden Electro-Rock à la française ausreitet.
Altin Gün: Garip
Label: Glitterbeat Records
Altin Gün: Garip
Mit Garip legen Altın Gün ihr sechstes Studioalbum vor und zugleich einen berührenden Dialog zwischen Generationen. Das Amsterdamer Quintett widmet sich zehn Kompositionen des legendären türkischen Volkssängers Neşet Ertaş und überführt dessen Werk in eine schillernde Gegenwart. Die rohe Emotionalität der Aşık-Tradition – jenes Erbe der Volksbarden und Troubadoure, die seit Jahrhunderten die Geschichten und Sehnsüchte Anatoliens besingen – trifft auf psychedelischen Groove, Arabesque-Streicher, funkige Saxophonlinien und glitzernde Synthesizer. Wie einst Ertaş, begleitet sich Sänger Erdinç Eçevit auf der Bağlama, einem mittelasiatischen Saiteninstrument mit langem Hals und metallenen Saiten, und verankert die Songs tief im anatolischen Erbe.
Inhaltlich kreist das Album um die Liebe, jedoch fern jeder Verklärung: Es geht um Unsicherheit, Sehnsucht und das schmerzhafte Ausbleiben von Gegenseitigkeit. Gleich in Gönül Dağı wird diese Ambivalenz greifbar, wenn Herzstürme und Einsamkeit ein Gefühl von heiliger wie verletzender Liebe zeichnen. Besonders spannend gerät Benim Yarim, das einzige instrumentale Stück. Wo im Original Gesang dominiert, entfaltet der spielerische Umgang mit Synth-Pitch-Bends hier eine eigene, fast körperliche Intensität. Suçum Nedir stellt die existenzielle Frage, ob Liebe selbst zur Schuld werden kann und erscheint hier als ungeschönte, ehrliche Konfrontation. Gel Yanıma Gel zeigt eine andere, zugänglichere Facette: rockig, tanzbar, verführerisch. Den Abschluss bildet Bir Nazar Eyledim, eine fragile Ballade, in der flehender Gesang auf schwebende Synth-Arpeggien trifft und als leiser, aber nachhaltiger Hall wirkt. Garip ist eine liebevolle, mutige Fortschreibung musikalischer Tradition, und live dürfte diese Musik tatsächlich zur Offenbarung werden.
Malaka Hostel: Brucca Beat
Label: Rummelplatzmusik
Vertrieb: Edel/Kontor
Malaka Hostel: Brucca Beat
Auf ihrem neuen Album Brucca Beat beweist die Freiburger Band Malaka Hostel, dass sich Weltmusik made in Germany nicht vor internationalen Acts verstecken muss. Denn sie verknüpft stilistische Vielfalt kongenial mit Partylaune. Die 2015 in einer WG im Alternativen-Stadtteil Vauban gegründete Band greift ebenso auf traditionell-folkloristische Elemente und Gipsy-Swing-Melodien zurück, lässt den Hippie-Rock fest mit den Füßen aufstampfen und bedient sich erzählerischer Liedermacherei. Das alles fügt Malaka Hostel und zu einem vielschichtigen, extrem unkonventionellen Klangbild zusammen.
Dabei erweisen sich die Bläser-Einschübe des australischen Trompeters Daniel Di Marzo und des Gastmusikers Joshua Castillo sowie die Bluesharp von Holger Guirisberger als auffällige Solisten der mit Gastmusikern neunköpfigen Gruppe. Ihr Gespür für eingängige Melodien und Rhythmen geben Songs wie Glashaus, Vogelfrei, Soulfly, Brucca Beat Orchestra oder Haifisch und Hoffnung erst den nötigen Drive. Besonders hervorzuheben ist zudem Sänger und Bouzouki-Spieler Viktor Myron Wagner, der mit seiner markant-rauchigen Stimme über die Zerbrechlichkeit der Welt, die Zerstörung alter Gewissheiten und falsche Propheten singt. Die zehn Stücke werden ausnahmslos durch einen homogenen Gruppenklang bestimmt: eine Mischung aus schnellen Balkan-Melodien und modernen Dancefloor-Sounds, rhythmisch relativ komplex, mit einer verblüffend musikalischen Offenheit.
Die fünf Musiker von Malaka Hostel schöpfen die ganze Bandbreite zwischen nachdenklichen und kräftig vollen Tönen auf ihren Instrumenten aus. Frontsänger Viktor Myron und seine Band gehen bei den auf Deutsch, Englisch, Tschechisch und Spanisch gesungenen Songs in die Vollen, mit flockigen Mundharmonika-Einschüben und treibenden Balkanklängen.
Ireke: Ayô Dele
Label: Underdog Records
Vertrieb: Broken Silence / Believe
Ireke: Ayô Dele
Am 13. März 2026 erscheint das neue Album von Ireke, dem Duo aus den Multi-Instrumentalisten und Beatmakern Julien Gervaix und Damien Tesson. „Die Freude kommt zu mir“ ist die wörtliche Übersetzung des Albumtitels Ayô Dele. Doch die eigentliche Botschaft liegt nicht im Wort, sondern im Gefühl: sich treiben lassen, mitgrooven, den Körper der Musik anvertrauen. Abanije mit Sängerin und Rapperin Nayel Hóxò setzt den Ton. Mit Wurzeln in Benin und Nigeria singt sie in ihrer Herzenssprache Yoruba. Ihre klare, soulige Stimme schwebt über dubigen Grooves und schon sind die Hörer*innen in Bewegung. Es ist der Moment, in dem das Album seine Magie entfaltet: nicht als bloße Klangkulisse, sondern als physische Erfahrung.
Mit Viv Li betritt Olivya von der Band Dowdelin die Szene. Ihre kreolischen Vocals aus Martinique bringen Soul pur, der an warme Abende und lebendige Straßen erinnert. Das Album ist ein Lebensimpuls, ein musikalisches Statement in einer Welt in Aufruhr. Laissez Passer, gesungen von Agnès Hélène, platziert sich in der Mitte des Albums wie ein politisches Statement, verpackt in mitreißendem Groove. Subtil, aber unüberhörbar. Ta Logbe Jongo, erneut mit Nayel Hóxò, ist ein Dialog, eine Aufforderung, eine Choreografie: einfach mitgehen, die Energie spüren, sich vom Rhythmus leiten lassen. Animierend, lebendig, voller Präsenz.
Der Abschlusstrack, ebenfalls mit Nayel Hóxò, klingt wie der Titel selbst: warm und zum Seele baumeln lassen. Soulshine ruft den Sommer nicht nur herbei, sondern trägt ihn bereits in sich. Ayô Dele ist eine Einladung, sich auf die Kraft der Musik einzulassen, sich von ihr bewegen zu lassen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Ireke schaffen zusammen mit den weiblichen Stimmen des Albums ein Werk, das nicht nur zum Tanzen anregt, sondern verbindet.
Nancy Vieira and Fred Martins: Esperanca
Label: Galileo Music Communication
Nancy Vieira and Fred Martins: Esperanca
Die kapverdische Sängerin Nancy Vieira und der brasilianische Sänger und Gitarrist Fred Martins haben mit Esperanca ein Album veröffentlicht, auf dem der relaxte Vibe der Kapverden eine Symbiose mit den sanft melancholischen Samba-Klängen Brasiliens eingeht.
Mit weicher, dunkler und beschwörender Stimme packt die seit ihrem 14. Lebensjahr in Lissabon lebende Sängerin Gefühl und Melancholie auf beeindruckende Weise in ihre Lieder und entführt die Menschen gemeinsam mit Fred Martins in ein musikalisches Äquivalent zur sommerlichen Entspanntheit ihrer kapverdischen Heimat. Mit ausdrucksstarken Stimmen erzählen die beiden von Träumen, Sehnsüchten und Lebenslust, aber auch von gesellschaftlichen Spannungen, Unsicherheiten und Hoffnungen vieler Menschen. In ihrer leisen und reflektierten Musik ist das gelebte Leben immer da, in jeder Phrase, in jedem Ton. Und auch wenn man des Kreolischen und Portugiesischen nicht mächtig ist, kann man erahnen, worum es den beiden singenden Originalen geht.
Worte treten durch die gefühlvollen Interpretationen der traditionellen Balladen in den Hintergrund. Elemente aus Samba und Fado wechseln sich ab mit dem traditionellen Klangbild der Mornas: Nicht nur bei melancholischen Balladen wie Querida verströmen die warmen Stimmen von Vieira und Martins eine ganz eigentümliche Wirkung. Zudem begleiten auch Anklänge der brasilianische Samba einen durch das gesamte Album. Egal ob freudvoll oder melancholisch – die karibischen Rhythmen lassen einen auf Esperanca niemals los.
Nancy Vieira und Fred Martins führen die Musik ihrer Heimaten zu ihren Ursprüngen zurück und befreien sie aus der künstlerischen Isolation, indem sie die Verwurzelung in der Folklore ebenso freilegen wie die Verbindungen zum Salsa und Fado.
Aly Keita: Balafon Evolution
Label: One World Records
Aly Keita: Balafon Evolution
Der in Berlin lebende Ivorer Aly Keita, der 2022 das Kunststück fertigbrachte, mit dem westafrikanischen Balafon Gewinner des Deutschen Jazzpreises zu werden, veröffentlicht nun mit seinem Trio das lang erwartete Album Balafon Evolution. „Immer, wenn ich ein Balafon gehört habe, dann war ich so aufgeregt, als hätte ich Engel gesehen“, sagt Aly Keita in Berufung auf die Erzählungen seiner Mutter.
Schnell stand für den Ivorer aus einer Griot-Familie fest, dass die Erneuerung des Instruments eine Lebensaufgabe wird. Er fügte eine Reihe Klangplatten hinzu, damit er alle Halbtöne auf dem Balafon spielen, mühelos von der westafrikanischen Tradition in den Jazz und Blues wechseln kann. Nach vielen Kollaborationen von Pharoah Sanders über Paolo Fresu bis zum deutschen Piano-Grenzgänger Hans Lüdemann stellt er nun ein Berlin-basiertes Trio mit dem Niederländer Marcel van Cleef am Schlagzeug und dem italienischen Basser Roberto Badoglio in den Fokus.
Vom Opener Adjame Street an offenbart sich, wie organisch und hochpulsig die drei Akteure miteinander verwoben sind. Der Bass legt hibbelige, funky Linien unter die Melodie, löst sich dann und singt in hohen Lagen, erfindungsreiche Drum-Fills begeistern, und zum Finale begibt sich das Balafon in chromatische Rasanz. In Marie Dance wechselt man raffiniert in einen Rumba-Groove, und mit seiner sonnig hüpfenden Melodie repräsentiert Yélé Kura zusammen mit dem gesungenen und vom Daumenklavier gewürzten Mogo Sobe die traditionellere Seite der Scheibe. Hitzig-vorwärtstreibend und mit einem richtigen Kraftpaket von den Drums am Ende geht es in Farafinko zu. Und im Titelstück ist die Verschmelzung des Dreiers in fast rockiger Verzahnung von Bass und Balafon perfektioniert. Mit den zart singenden Basslinien von Peace In The World endet ein kleines Meisterwerk.
Lucas Santtana: Brasiliano
Label: Nø Førmat!
Vertrieb: IDOL/Indigo
Lucas Santtana: Brasiliano
Auf Lucas Santtanas neuem Album Brasiliano wird Sprache hörbar: Sie trägt Geschichte, verbindet Einflüsse, formt Identität, ermöglicht Erinnerung und Widerstand – und bleibt dabei lebendig und dynamisch. Lucas Santtana demonstriert, wie brasilianisches Portugiesisch über Jahrhunderte von Begegnungen, Mischungen, Kolonialisierung und Zwangsumsiedlung geprägt wurde, die sich bis heute in Klang, Rhythmus und Worten widerspiegeln.
In A história da nossa língua (feat. Gilberto Gil) reist die Sprache als Frau von Italien nach Brasilien. Eine poetische Erinnerung an ihre romanischen Wurzeln. Sie trifft auf Tupi-Guarani, afrikanische, arabische, okzitanische und keltische Einflüsse. Unterwegs sammelt sie Worte, Pflanzen, Mythen und Bräuche. Elemente des Alltags und der Kulturen, die sich im Brasilianischen verbinden. Es entsteht eine stolze Hymne auf eine Sprache, die sich mischt, überlebt und immer wieder neu erfindet.
Strati di tempo (feat. Dimartino) erzählt auf italienisch von der Sprache als Generationenfolge: Mutter, Tochter, Enkelin. Schichten der Zeit liegen in jedem Wort, Erinnerungen tauchen auf, auch wenn die Ursprünge längst nicht mehr sichtbar scheinen. Ver meu povo se abraçar (feat. Chico César) ist ein rhythmischer, tanzbarer Track, der Lebensfreude, Nähe und kollektive Energie feiert, während Independência (feat. Karyna Gomes) mit treibendem Beat und kraftvollen Vocals Freiheit und Selbstbestimmung spürbar macht.
Rhythmus, Intonation und Klang erleichtern den Zugang: Wörter tragen Bedeutung, verbinden Sprachen und eröffnen immer wieder neue Perspektiven. Brasiliano erscheint am 6. März und ist eine Feier der Sprache, lebendig, politisch, sinnlich.
Pippo Pollina: Fra guerra e Pace
Label: Jazzhaus Records
Vertrieb: Jazzhaus Freiburg
Pippo Pollina: Fra guerra e Pace
Wenn der in der Schweiz lebende sizilianische Liedermacher Pippo Pollina ein neues Album präsentiert, ist Gänsehaut angesagt. So auch bei Fra guerra e Pace (Zwischen Krieg und Frieden), bei dem es sich um ein anspruchsvolles wie ausgewiesenes Anti-Kriegs-Konzeptalbum handelt.
Die elf Lieder auf der CD zeichnen sich nicht nur durch wunderschöne Melodien, sondern auch durch nachdenkliche Texte mit Tiefgang aus. Kein Zweifel, das soziale und politische Engagement des Sängers ist nicht bloß Kalkül: Pollina ist stets glaubhaft in seinem Appell für Menschlichkeit und Frieden und dem kritischen Erfragen der Welt. Reichlich persönliche Songs prägen die Texte, etwa, wenn er die Geschichte eines ukrainischen Soldaten (Fra i Petali del Girasole) erzählt, die Tränen Palästinas hörbar macht (Free Palestina) oder gemeinsam mit seinen beiden Kindern, dem Songwriter Faber und Madlaina Pollina die bewegende Ballade La Notte dei Cristalli (Kristallnacht) interpretiert. Man spürt zu jeder Zeit: Dem 62-jährigen Liedermacher ist es unvermindert ernst mit seinen Liedern. Dabei stehen Pollinas Gesang und die Ausdruckskraft der italienischen Sprache, in der er singt, im Vordergrund. Die Instrumente der ihn begleitenden Musiker, die von Bläsern über Streicher bis zu Percussion und wahlweise einer Oud reichen, unterstreichen noch die Stimme des Sängers. So klingen seine Balladen als Gegengewicht zu den thematisch hochpolitischen Texten zuweilen wie leichte, mediterrane Wohlfühlmusik, dem die feinsinnige Kolorierung der Streicher und Bläser auch gerne eine Spur von Melancholie verleiht.
Die Lieder regen, so eingängig sie sind, stets zum Nachdenken an und aufs Arrangement legt Pippo Pollina viel Wert. Nur wenigen Liedermacher*innen gelingt es auf so eindringliche Weise, mit kleinen Mitteln große Wirkung zu erzielen und mit seiner Musik das Herz zu berühren.
Tribeqa: Sumu
Label: Underdog Records
Vertrieb: Broken Silence/Believe
Tribeqa: Sumu
Mit Sumu hat das Afro-Soul-, Jazz- und Hip-Hop-Quartett Tribeqa aus Nantes im Dezember 2025 sein viertes Album veröffentlicht, das seine Kraft in der Vielfalt entfaltet. Mitreißend und zuversichtlich verbindet der Groove Sprachen und Kulturen zu einem natürlichen, lebendigen Dialog. Zentral ist das organische Zusammenspiel der Band: Josselin Quentins chromatisches Balafon verleiht der Musik Wärme und Puls, Étienne Arnoux’ akustische Gitarre spannt lyrische Bögen, Julien Ouvrards Schlagzeug agiert präzise und luftig, während Malou Oheix mit Stimme und Synth-Bass Soul, Tiefe und zeitgenössische Urbanität einbringt.
Was Tribeqa seit Jahren auf Festivalbühnen in Frankreich und darüber hinaus auszeichnet, ist auch auf Sumu hörbar: eine Klarheit und Intensität, die direkt ins Körperliche zielt. Die Texte in Dioula, Englisch, Französisch und Spanisch verstärken den Eindruck einer musikalischen Weltreise auf engem Raum. Der Albumtitel Sumu — Dioula für „Zusammenkommen“ — ist dabei mehr als ein Symbol. Nach drei resonanzstarken Alben schärft das Quartett hier seine kollektive Identität: wagemutig, lichtdurchflutet und reich an Texturen. Inhaltlich kreisen die Songs um Familie (Family), Lebensfreude (Life), kreative Impulse (Artist) und prägende Orte wie die Elfenbeinküste (Grand Bassam) oder Burkina Faso (Secteur 22).
Hochkarätige Gäste wie Jazzlegende Magic Malik an der Querflöte, der kalifornische Rapper Mr. J. Mereiros, Blacc El, Wamian Kaïd sowie die Griot-Familie verankern das Album zusätzlich in westafrikanischen Klanglandschaften. Sumu ist ein Album des Miteinanders — tief verwurzelt, offen und von einer Wärme, die auch über den Jahreswechsel hinaus nachhallt.
Meklit: A Piece of Infinity
Label: Smithsonian Folkways
Vertrieb: Galileo MC
Meklit: A Piece of Infinity
Sie stammt aus der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, kam als Kind Geflüchteter mit ihren Eltern nach San Francisco und sie macht auf ihrem neuen Album A Piece of Infinity Musik, die sowohl von ihren ostafrikanischen Wurzeln als auch von ihrer Identität als Migrantin in den USA geprägt ist.
Es ist ein abgelegenes Spielfeld, das die Sängerin und Pädagogin Meklit Hadero abseits aller Trends bespielt. Dabei bezieht die Musik ihren besonderen Reiz aus diesem crosskulturell orientierten Lavieren zwischen jazzig angehauchtem Coffee-House-Pop und traditionellen äthiopischen Formen mit Gesang in den afrikanischen Sprachen Kambaata, Amharisch und Oromo. Aber so viele Bezüge es auch geben mag, Meklits musikalische Welt ist auf ihre Weise ohne Beispiel. Dazu kommt eine Stimme, die reichhaltig und facettenreich ist, die sich ins Gedächtnis einbrennt und mit ihrer Intensität fesselt.
Meklit lehnt sich seit 25 Jahren stark an ihre äthiopischen Wurzeln an und greift auch auf dem neuen Album immer wieder auf das kulturell vielfältige Erbe Afrikas zurück. Aber auch eine exzessive Energie nimmt sich in ihren neun Liedern wiederholt ganz selbstverständlich Raum und Platz. Die Stärke dieses Albums ist, dass die Tochter eines Vaters aus dem Volk der Kambaata und einer Mutter aus dem Volk der Amhara alles nebeneinanderstehen lässt. Afrobeats und melodischer Softrock stehen neben afrikanischen Rhythmen, verträumtes Harfenspiel neben feurigen Blechbläsern. Es geht um die Vermischung der Stile in Zeiten der Globalisierung, aber auch um eine wachsende Offenheit, die mittlerweile vielen äthiopischen Musikern neue Freiheiten beschert hat.
So schüttelt Meklit mit kraftvoller Stimme einen Song nach dem anderen aus dem Ärmel, von denen nicht wenige Stücke das Zeug dazu hätten, auch von hiesigen Radiosendern gespielt zu werden.
Mara Aranda: Sefarad – En El Corazón De Bulgaria
Label: Bureo
Vertrieb: Galileo MC
Mara Aranda: Sefarad – En El Corazón De Bulgaria
Die Kultur der Sepharden, die 1492 im Zuge der christlichen Reconquista über den Maghreb und den vorderen Orient verstreut wurden, ist eine der Vielfalt und Vermischung. Vom alten Spanien ausgehend wurden Einflüsse neuer Regionen mit dem Ziel aufgenommen, die Musik der jüdisch-sephardischen, christlichen und arabo-andalusischen Kulturen aufleben zu lassen.
Im Grunde genommen schließt die spanische Musikerin Mara Aranda mit diesem Album thematisch an diesen Prozess an. Sefarad – En El Corazón De Bulgaria ist bereits das vierte Album einer fünfteiligen Serie mit dem Titel Geographies of the Diaspora, das sich dieses Mal mit der sephardischen Kultur in Gemeinden, die in der heutigen Region Bulgariens liegen, beschäftigt. Gleichwohl zielen die zwölf Stücke darauf ab, die Präsenz der sephardischen Musiktradition einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Wie schon in den drei Alben zuvor geht es darum, in einem intensiven Prozess traditionelle Lieder, Gedichte und Erzählungen zu einem musikalischen Gesamtbogen zu verknüpfen. Zentrale Elemente im Arrangement stellen der Gesang von Mara Aranda und die mittelalterlichen Instrumente aus dem gesamten Mittelmeerraum der beteiligten Musiker*innen dar, deren Begleitung Assoziationen von Ursprünglichkeit und Purismus wecken. Themen wie Sich-fremd-Fühlen, Heimatverlust oder auch Vertreibung werden textlich bearbeitet und musikalisch umgesetzt.
Die sephardische Musik von Mara Aranda und ihrem siebenköpfigen Ensemble hört sich vielleicht für heutige Ohren etwas ungewohnt und zuweilen fast wie mittelalterlicher Minnegesang an. Das Album zeigt aber auch, was verloren gegangen ist.
Kengo Saito – Japanistan Trio:
Douce Errance
Label: Galileo Music
Kengo Saito – Japanistan Trio: Douce Errance
Douce Errance klingt wie ein Gespräch zwischen Instrumenten, Kulturen und Stimmungen. Der japanische Musiker Kengo Saito bringt auf diesem Album die afghanische Rubâb in einen Dialog mit der japanischen Bambusflöte Shakuhachi (gespielt von Suizan Lagrost) und den persischen Trommeln Tombak und Daf von Ershad Tehrani. Drei Klangwelten, drei Temperamente – und doch eine gemeinsame Sprache, die sich nicht erklären will, sondern einfach atmet.
Das Album beginnt mit Invocation wie ein tiefer Atemzug: Die Shakuhachi klingt roh, fast brüchig – ein Ruf, der den Raum schafft, bevor die anderen Stimmen eintreten. Méristème folgt mit feingliedriger Struktur und rhythmischer Spannung, wechselt mühelos zwischen Form und Improvisation und bleibt zugleich transparent und energiegeladen. Es erinnert daran, dass Wurzeln wachsen, wenn sie sich ausbreiten dürfen.
Anar Anar greift eine alte afghanische Liebesmelodie auf – vertraut und doch neu gehört. Die Rubâb klingt erdig und leicht zugleich, die Percussion trägt dezent, und zwischen den Linien schimmert etwas Zeitgenössisches. Das Stück hat Groove, aber keinen Zwang – Musik, die man sich auch spät nachts in einem Berliner Club vorstellen kann. Nicht als Remix, sondern so, wie sie ist.
Mit Le Dernier Chant des Oiseaux erreicht das Album seinen eindringlichsten Moment: ein Lied über Endlichkeit und Warnrufe. Die Vögel singen, dann schreien sie – der Klang kippt ins Drängende, ohne laut zu werden.
Douce Errance ist kein Tradition trifft Moderne-Projekt, sondern eine Einladung zum Zuhören. Japanistan – der Name des Trios – bezeichnet keinen Ort, sondern einen imaginären Raum, in dem japanische, afghanische und persische Klänge aufeinander reagieren. Musik, die offen bleibt, lebendig und ganz gegenwärtig.
Garden of Silence: Neither You Nor I
VÖ: 21.11.2025
Vertrieb: Broken Silence
Garden of Silence: Neither You Nor I
Die Band Garden of Silence präsentiert mit ihrem neuen Album Neither You Nor I einen eingängigen Mix aus traditionellem Gesang, subtilen rhythmischen Überlagerungen, melancholischen Ornamenten und multikulturellen Klängen mit arabischen Einflüssen.
Ein besonderer Reiz dieses Albums liegt in der ungewöhnlichen instrumentalen Konstellation. Die Zusammensetzung ist mit den Instrumenten Nyckelharpa, Violine, Cello, Duduk, Bassklarinette, Saxofon, E-Bass, Bass-Mandola und Percussion sowie zwei Sängerinnen eher unorthodox besetzt, aber dennoch berühren die neun Musiker*innen mit ihrer emotionalen Musik die Herzen der Zuhörenden. Sie verkörpern in Titeln wie Indscha, Garden of Silence, Persian Waltz und Aziza die Gemeinsamkeiten zwischen arabischen und westlichen Klängen und es gelingt ihnen im Zusammenspiel, unterschiedliche Formen der Melodieführung, Rhythmik und Spielweisen nicht nur nebeneinander zu stellen, sondern miteinander kongenial zu verknüpfen.
Geleitet vom schwedischen Bassisten Björn Meyer mit Wohnsitz in der Schweiz, treffen sich hier neun Musikpersönlichkeiten aus Stockholm, Düsseldorf, Kairo, Teheran und der Schweiz mit einer ihnen sehr eigenen Vision. Melodiös und eingängig ist der mal elegische, mal rhythmische Gesang und immer wieder entsteht so etwas wie ein Gespräch zwischen den Musikern und den Instrumenten.
Die Aufnahmen zum Album Neither You Nor I begannen bereits 2012, wurden jedoch abgebrochen, als die iranische Sängerin, Harfenistin und Mitgründerin der Band, Asita Hamidi, im Dezember desselben Jahres an Krebs verstarb. Nun hat die Originalbesetzung, verstärkt um drei frisch hinzu gekommene Mitglieder, das Album mit neuen Arrangements veröffentlicht und bietet nicht nur eine komplexe Musik aus kulturell vielfältigen Klängen, sondern auch viel Stoff zum Fußwippen.
Maria João: Abundancia
Vertrieb: Galileo MC
Maria João: Abundancia
Sie macht bestimmt keine Musik, die den konventionellen Hörer*innengeschmack trifft oder das Publikum zum Fußwippen anregt. Wer seine Ohren aber in alle Welt offen hält, der wird mit dem neuen Album der Vokalistin und Weltenbummlerin Maria João bestens bedient. Denn auf Abundancia überzeugt die Portugiesin einmal mehr durch ihre ungeheure Vielstimmigkeit, die im Vokaljazz ihresgleichen sucht.
Die 69-jährige, ständig zwischen Lissabon, der Hauptstadt Portugals, und Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, pendelnde Vokalistin besitzt nicht nur eine gewaltige Stimme, die von rauchigen bis zu schrill-hohen Tönen mindestens vier Oktaven umfasst, auch ihr emotionaler Ausdruck ist beeindruckend. Die zehn raffinierten, mit vielen elektronischen Effekten sowie Weltmusik, Jazz, Pop, Minimalismus, Kammermusik und ethnischen Elementen versehenen Klangarrangements sind eingebunden in verspielte Schlag-Rhythmen und harmonisch süffige Arrangements. Dabei wird João von einer Vielzahl Gastmusiker*innen unterstützt, die dem musikalischen Universum jede Menge spannende Klangfarben hinzufügen, sowohl gesanglich als auch instrumental. Elemente ostafrikanischer Rhythmik und des Fado, der traditionell portugiesischen Entsprechung zum Blues, finden sich in Joãos verquerem Gesang ebenfalls. Maria João hat seit Beginn ihrer Karriere im Jahre 1982 mit Größen wie Aki Takase, Manu Katché, Niels-Henning Ørsted Pedersen, Trilok Gurtu, Charlie Mariano oder dem Pianisten Mário Laginha gearbeitet und dabei stetig das Niveau ihrer Kunst modifiziert.
Vor allem in kreativer Hinsicht ist sie immer bereit, neue Abenteuer zu wagen, ungewöhnliche Ansätze zu suchen und sich neuen Projekten zu stellen. Ihre akrobatischen stimmlichen Verrenkungen, die Freude an weltoffener Musik und ihr manchmal beinahe kindlich naiver Gesangsstil prägen dieses Album und machen es zu einem durchaus unorthodoxen, aber hörenswerten Tipp.
Salif Keita: So Kono
Vertrieb: IDOL/Indigo
Salif Keita: So Kono
Salif Keita sieht nicht allzu gut, aber er hat schon Vieles gesehen. Er hat in heruntergekommenen Bars in Malis Elendsvierteln gesungen und in den großen Konzerthallen der Welt. Als Albino hat er in seiner Heimat Diskriminierung erlebt, und als er sich entschied, Sänger zu werden, verstieß ihn sein Vater. Er hat unter freiem Himmel geschlafen und in den besten Hotels der Welt.
Heute ist der aus einer adligen Familie stammende Sänger und Gitarrist eine der prominentesten Stimmen Westafrikas. Sein neues Album So Kono untermauert diesen Status, auch wenn er diesmal nicht von Prominenten wie Vernon Reid unterstützt wird, sondern von afrikanischen Musikern wie Badié Tounkara und Mamoudou Kone. Die Lieder des 76-jährigen Sängers und Gitarristen, der ein direkter Nachkommen des Mali-Gründers Sundiata Keita ist und sich mit seinem Gesang schon früh den Konventionen der Mandinka-Gesellschaft widersetzte, setzen vornehmlich auf afrikanische Harmonik und biedern sich nicht an den europäischen Markt an. Neun Songs sind auf der CD versammelt, die schmeichelnd und zärtlich, manchmal auch dunkel funkig die zuweilen schwebenden Verse umschließen. Über Instrumenten wie Gitarre, N’goni, Tama und Cello, über einem meist entspannten Rhythmus, erhebt sich die alterslose Stimme Salif Keitas, schwingt sich auf und fliegt davon, federleicht und mühelos. Westliche Einflüsse, Stilelemente des Jazz, Pop und Funk sowie moderne Studiotechnik mit der traditionellen Musik der Griots fügen sich in den Kompositionen zu einer Mischung eingängiger Lieder zusammen, die auch Keitas mittlerweile 19. Album unbedingt empfehlenswert machen.
Mit So Kono meldet sich Salif Keita nach mehreren Jahren Schaffenspause zurück, versorgt seine treuen Fans auf dem afrikanischen Kontinent und könnte mit diesem Album in der westlichen Welt einige neue dazu gewinnen.
George Leitenberger:
A road-trip through Morocco
Label: Silberblick Musik Berlin
George Leitenberger: A road-trip through Morocco
Ein Mann, eine Gitarre und tausend Geschichten über die Sehnsucht nach dem Unterwegssein: George Leitenberger, der deutsche Singer-Songwriter mit Wohnsitz Genf, erzählt auf seinem neuen Album A road-trip through Morocco mit dunkler Raucherstimme Geschichten von einer Reise kreuz und quer durch Marokko und gibt sich einem Sound zwischen Country, Folk, Rock und dem guten, alten Blues hin.
Seit seinen ersten Gitarrenakkorden in einer Schüler-Coverband der 1970er-Jahre tummelt sich der in Schorndorf geborene Liedermacher im Musikbusiness. Neben der Musik war Leitenberger aber immer auch in anderen Disziplinen tätig, vor allem als Fotograf sowie als Schauspieler, Film- und Theaterkomponist. In den zwölf Titeln des Albums erzählt er auf Deutsch und Englisch und mit kneipenkratziger Leonard-Cohen-Stimme von einem Trip quer durch Marokko und integriert dabei O-Töne, die er von belebten Straßen, Gesängen von Muezzins oder einem Lagerfeuer in völliger Abgeschiedenheit im Atlasgebirge aufgenommen hat.
Ein Hauch von Sentimentalität schimmert zuweilen durch die Kargheit dieser Songs, wenn Melodien zusammen und wieder auseinander schwingen, sich überlagern, sich abgrenzen, sich verdichten zu einer ganz eigenen Geschichte, einem Rhythmus oder einem melancholisch-süßen Gefühl. Neben George Leitenberger an Gesang, E- und Akustikgitarren sowie einer in Marrakesch erstandenen Gimbri mit ihrem unverwechselbaren perkussiven Klang, der das ganze Album durchzieht, sind Andreas Albrecht an Klavier und Percussion, Roddy McKinnon an E- und Slide-Gitarre und Tobias Fleischer an E- und Kontrabass zu hören.
Der Spagat vom Düsteren hin zum Intensiven macht den Reiz dieses Albums aus. George Leitenberger und seine Mitmusiker kreieren mit ihrer Melange eine nicht alltägliche Musik, die die drei Welten Musik, Foto und Film aus dem ganz individuellen Blickwinkel eines europäischen Musikers zusammenbringt.
Danças Ocultas:
Inspirar
Vertrieb: Galileo MC
Danças Ocultas: Inspirar
Im Schlichten liegt bekanntlich oft der Quell der Schönheit. Das ist bei der portugiesischen Band Danças Ocultas nicht anders. Die Mischung aus Folklore, Klassik und Fado, die eigene, insgesamt etwas finster erscheinende Klangwelt, die Richtung Traditional tendiert und sogar im übertragenen Akkordeon-Sinne rockt, die Instrumentierung mit vier diatonischen Akkordeons – alles wirkt auf ihrem zehnten Album Inspirar („Einatmen“) anmutig und unprätentiös. Die Musik bezieht ihren besonderen Reiz aus dem scheinbar Unspektakulären. Sie ist tief in der Fado- und Morna-Tradition verwurzelt und zeigt eine ausgeprägte persönliche Handschrift.
Dass man mit dem Akkordeon großartige Musik machen kann, beweisen die vier Musiker Artur Fernandes, Filipe Cal, Filipe Ricardo und Francisco Miguel, die sich bereits 1989 zu der Band Danças Ocultas formiert haben. Sie kitzeln aus ihren Quetschkommoden zutiefst anrührende Melodien heraus und schaffen mit ihrem Spiel ein Wechselbad der Gefühlslagen, das von Leid und Wonne des alltäglichen Lebens über nachdenkliche Sehnsucht bis zu mehrdeutiger Larmoyanz reicht. Stücke wie Pulsar, Travessuras oder das melancholische, fast wie Filmmusik anmutende Afeicoes, drei von neun Stücken, sind diesem Ideal auf eindrucksvolle Weise nahe. Ihren – im Jazz würde man sagen – Drive erhalten die Lieder durch den tiefgründigen Klang der vier diatonischen Akkordeons, die in Portugal „Concertina“ genannt werden. Traditionsbezogen ist die Musik dieses Quartets, nicht aber traditionell. Zwar bilden viele Melodien aus der Überlieferung die Grundlage, aber es werden auch Stile aus anderen Kulturkreisen verwendet.
Über allem liegt eine einnehmende und entspannte Leichtigkeit, mit einer bis zur Perfektion geschliffenen Klangsprache. So „klassisch“ im Sinne einer Kunstmusik das Spiel auch anmuten mag, so sehr vermittelt sich die Musik von Danças Ocultas in einer faszinierenden Unmittelbarkeit.
DZ’OB: The Playground
Das elektroakustische Ensemble DZ’OB wurde 2014 in der ukrainischen Stadt Dnipro gegründet und hat nun sein viertes Konzeptalbum The Playground veröffentlicht, das musikalisch irgendwo zwischen Klassik, Jazz, Techno, Trap und Avantgarde angesiedelt ist. Der Titel ist eine Referenz an die mehr als zwei Millionen jungen Ukrainer und Ukrainerinnen, die aufgrund des russischen Angriffskriegs ohne ihre Väter aufwachsen müssen.
Jedes der sechs von Bandleader und Cellist Oleksii Badin und dem ehemaligen DZ’OB-Mitglied Maksym Andruh komponierten Stücke ist nach einem absurden Kinder-Abzählreim benannt, die von Kindern auf Spielplätzen in aller Welt gespielt werden. Die ausufernden Soundcollagen sind teilweise verstörend und signifikant zugleich, weil sie wie ein Organismus in unseren Ohren entstehen – weil sie wachsen, sich ausdehnen und zusammenziehen, weil sie immer wieder auslaufen, sich an die Ränder verirren, um dann aufs Neue Kontur zu gewinnen.
Besonders an diesem Quartett aus der Ukraine ist nicht nur die Musik selbst, sondern vor allem die Art, wie diese Musik erzeugt wird. Neben dem unverwechselbaren Klang eines Cellos des Bandleaders Oleksii Badin stehen mal die Oboe von Vasyl Starshino, dann wieder das Fagott von Oleksii Starshinov oder die Violine von Iryna Li im Mittelpunkt. Kraftvolle Tutti-Akkorde wechseln mit an Techno angelehnte Rhythmen, geradlinige Fagott- und Oboen-Soli gehen in ein Violinen-Triolen-Motiv über. Die vier Musiker*innen führen ohne jedes Getöse und mit handwerklicher Brillanz in ein dichtes Labyrinth von Klangflächen. Die Musik erinnert an sphärische Klangwelten, an eine meditative Mischung aus übereinander geschichteten Klangimpulsen, von tranceartigen Minimal-Music-Passagen bis zu raumfüllenden Grooves.
Derart avantgardistische Klangideen versprechen leider selten den Durchbruch im Musikgeschäft, was das ukrainische Quartett aber nicht davon abhält, an seinen Prinzipien festzuhalten.
Rodrigo Leão: O Rapaz da Montanha
Seinen Stil bezeichnet der portugiesische Musiker Rodrigo Leão nicht als Fado, sondern versteht ihn als Querschnitt durch unterschiedliche Musikkulturen. Auch bei seinem vielköpfigen Orchester mit sechs Haupt- und elf Gastmusikern geht es um eine Formation, die in keine Schublade zu passen scheint.
Rodrigo Leão hat sich als Musiker und Komponist über die Grenzen Portugals hinaus einen Namen gemacht. Zunächst in der Band Sétima Legião, anschließend als Teil des innovativen Projekts Madredeus. 32 Jahre nach seinem Debüt als Solomusiker bringt er nun mit O Rapaz da Montanha („Der Junge vom Berg“) ein Album heraus, das durch den Einsatz von Chören, verschiedenen Leadsängern und klassischen Instrumenten sowie einer ausgeprägten Perkussion an einige portugiesische Cantautoren aus den 1970er-Jahren erinnert. Dabei lässt Rodrigo Leão den Zuhörer in seine jahrzehntelange musikalische Erfahrung eintauchen, ohne dabei die portugiesische Musik und ihre Fado-Melancholie zu vergessen. In immer dichter werdenden Improvisationen verweben die 17 Musiker am Akkordeon, Cello, Bratsche, Geige, verschiedenen Gitarren, Kontrabass, Synthesizer, Tambura, Schlagzeug und Perkussion weltmusikalische Rhythmen zu einem lebendigen Klangteppich. Ein Großteil der Texte stammt von Ana Carolina Costa und handelt von unterdrückten Frauen mit dem Wunsch nach Befreiung und von Charakteren, die mit ihrer Sterblichkeit und Freiheit kämpfen.
Das Album des Musikers, Sängers und Komponisten ist eine entspannte Exkursion in die portugiesische Kultur und eine Einladung, in sich selbst einzutauchen und gleichzeitig sich seiner Umgebung und der schwierigen, aber wahren Realität bewusst zu werden. Die 16 Stücke auf O Rapaz da Montanha sind ein sachtes Ineinandergleiten von Melodie und Rhythmus, kein aufregendes Album mit Spitzen, sondern vielmehr eine Art Ritual und ein musikalischer Hoffnungsschimmer am Horizont.