Raphaëlle Red: Adikou

Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky.
Rowohlt Verlag, 2024.
219 Seiten.

Raphaëlle Red: Adikou

Groß ist die Zerrissenheit der jungen Adikou. So groß, dass unklar bleibt, ob eine Person aus verschiedenen Perspektiven spricht – oder sind es zwei? Wo befindet sich Adikou gerade – in Paris oder schon auf Reisen? Verzweifelt sucht die Protagonistin nach ihren Wurzeln. Nie kommt sie zur Ruhe, fühlt sich irgendwem oder irgendeinem Ort zugehörig. Zu welcher Welt gehört sie als Tochter eines afrikanischen Vaters und einer französischen Mutter? Die Antwort sucht Adikou auf einem Trip nach New York, quer durch den Süden der USA und entlang der westafrikanischen Küste durch Togo, Ghana und Benin. Wird sie auf die Spuren ihres Vaters stoßen, eines Freiheitskämpfers, der früh verschwand, insbesondere aus ihrem Leben? Gibt es an seinem Herkunftsort einen Platz für sie? Und wie kann sie diese Ungeduld, diesen überwältigenden Zorn in sich befrieden, der sich gegen die ganze Welt und gegen sie selbst richtet?

Adikou ist keine einfache Lektüre. Der Roman gleicht einem Kaleidoskop aus bunten Versatzstücken, bei dem sich die Leser*innen nie ganz sicher sind, an welchem Ort und in welchem Zeitstrang sie sich gerade befinden. Bezüge zu Persönlichkeiten aus Politik und Kunst wie etwa den algerischen Schriftsteller Frantz Fanon oder die Sängerin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone fügen weitere Facetten hinzu, die den postkolonialen Charakter der Erzählung unterstreichen. Adikou ist ein Coming-of-Age-Roman der besonderen Art, der sich nicht an gängige Konventionen hält und damit zweifellos seinen Reiz hat.

Die 1997 in Paris geborene Raphaëlle Red ist selbst Frankotogolesin und lebt heute in Berlin. Sie studierte Sozialwissenschaften, forschte zur Literatur der afrikanischen Diaspora und begann dann, literarisch zu schreiben. Ihr Debütroman Adikou erschien im Frühjahr 2024 in französischer Sprache.