Moscas – Fliegen und andere Gäste
(Originaltitel: Moscas/Flies)
Mexiko/Spanien 2026, 103 Minuten
Regie: Fernando Eimbcke
Mit Teresita Sánchez, Bastian Escobar, Hugo Ramírez, Enrique Arreola u. a.
Start: 22. Oktober 2026
Verleih: Piffl Medien
Moscas – Fliegen und andere Gäste
Vermieterin wird zur Ersatzmutter
In den ersten Szenen des in wundervollen elegischen Schwarz-Weiß-Bildern gestalteten Films ist die zurückgezogen in einem Wohnblock in Mexiko-City lebende Olga dabei, in Schlaf- und Wohnzimmer Fliegen mit einer Spraydose nachzujagen. Als Quittung bekommt sie einen Hustenanfall. Immerhin aber kann sie nun ungestört Sudoku-Rätsel lösen und im Fernsehen Kommentaren zur aktuellen Einwanderungspolitik der USA, vor allem die mexikanische Bevölkerung betreffend, folgen. Wenn da nicht die lautstark im Schlafzimmer über ihr herummachenden Nachbar*innen und der ihr Schmerzen bereitende große Zeh wären. Seinetwegen benötigt die 55-Jährige einen OP-Termin, den sie sich aber nicht leisten kann. Sie beschließt deshalb, eines ihrer Zimmer unterzuvermieten – und entscheidet sich für einen Mann vom Land, dessen Frau im Krankenhaus liegt und der deshalb vorübergehend eine bezahlbare Unterkunft benötigt. Er verschweigt ihr jedoch, dass er auch noch einen neunjährigen Sohn hat. Der bleibt natürlich von Olga nicht unentdeckt – und weil der Vater sich wenige Tage später gar nicht mehr blicken lässt, hat sie nun den Jungen an der Backe. Doch was ihr anfangs lästig erscheint, tut ihr dann sogar gut: Endlich hat sie eine Aufgabe, trägt Verantwortung, wird zu einer Art Tante.
Der im Februar bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin für seinen Film mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnete Fernando Eimbcke gibt seinen Figuren viel Zeit und Raum, und er erlaubt es seinem Publikum, sich in sie hineinzufühlen und später auch zu verstehen, warum Olga zu einer zurückgezogen lebenden Frau geworden ist. Dem kleinen Cristian jedenfalls gelingt es auf anrührende Weise, bei Olga wieder Lebensfreude zu wecken.