Kengo Saito – Japanistan Trio:
Douce Errance
Label: Galileo Music
Kengo Saito – Japanistan Trio: Douce Errance
Douce Errance klingt wie ein Gespräch zwischen Instrumenten, Kulturen und Stimmungen. Der japanische Musiker Kengo Saito bringt auf diesem Album die afghanische Rubâb in einen Dialog mit der japanischen Bambusflöte Shakuhachi (gespielt von Suizan Lagrost) und den persischen Trommeln Tombak und Daf von Ershad Tehrani. Drei Klangwelten, drei Temperamente – und doch eine gemeinsame Sprache, die sich nicht erklären will, sondern einfach atmet.
Das Album beginnt mit Invocation wie ein tiefer Atemzug: Die Shakuhachi klingt roh, fast brüchig – ein Ruf, der den Raum schafft, bevor die anderen Stimmen eintreten. Méristème folgt mit feingliedriger Struktur und rhythmischer Spannung, wechselt mühelos zwischen Form und Improvisation und bleibt zugleich transparent und energiegeladen. Es erinnert daran, dass Wurzeln wachsen, wenn sie sich ausbreiten dürfen.
Anar Anar greift eine alte afghanische Liebesmelodie auf – vertraut und doch neu gehört. Die Rubâb klingt erdig und leicht zugleich, die Percussion trägt dezent, und zwischen den Linien schimmert etwas Zeitgenössisches. Das Stück hat Groove, aber keinen Zwang – Musik, die man sich auch spät nachts in einem Berliner Club vorstellen kann. Nicht als Remix, sondern so, wie sie ist.
Mit Le Dernier Chant des Oiseaux erreicht das Album seinen eindringlichsten Moment: ein Lied über Endlichkeit und Warnrufe. Die Vögel singen, dann schreien sie – der Klang kippt ins Drängende, ohne laut zu werden.
Douce Errance ist kein Tradition trifft Moderne-Projekt, sondern eine Einladung zum Zuhören. Japanistan – der Name des Trios – bezeichnet keinen Ort, sondern einen imaginären Raum, in dem japanische, afghanische und persische Klänge aufeinander reagieren. Musik, die offen bleibt, lebendig und ganz gegenwärtig.