Humans of Stuttgart

Ein Projekt von Literally Peace e. V.
Instagram
www.literallypeace.com

Erstmals veröffentlicht: 8. Juli 2024

 

 

Foto: Genia Nosova
Ausgabe: Oktober 2026

Humans of Stuttgart

Humans of Stuttgart porträtiert Menschen, die die Stadt prägen – alteingesessen oder neu angekommen, laut oder leise. Entstanden aus einem jungen Team aus Menschen mit Migrations- und Fluchtbiografien schafft das Projekt Raum für Zuhören, Begegnung und Solidarität in all ihrer Vielfalt. Erstmals erschienen sind die Porträts auf Instagram. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe eines davon.

Für mich sind Psychologie und Kunst zwei Ausdrucksweisen der menschlichen Existenz.

Die Psychologie beschäftigt sich mit dem, was uns als Menschen ausmacht. Wir haben ein seelisches und ein bewusstes Leben und wir haben das Bedürfnis, entweder uns selbst zum Ausdruck zu bringen oder in Kontakt mit der Welt, mit der äußeren oder inneren Realität zu kommen. Beidem kann man sowohl mit psychologischen Techniken als auch mit reiner Kunst auf den Grund gehen.

Psychologie ist ein relativ junger Zweig der Wissenschaft, Kunst hingegen gab es seit Anbeginn der Menschheit, viel früher als Schrift oder sonstige Medien. Die Kunst ist im Grunde genommen das erste Mittel, das über die Wahrnehmung des Daseins nicht nur Spuren hinterlassen hat, sondern diese Informationen bis heute beinhaltet.

Einen wichtigen Unterschied dieser beiden Disziplinen sehe ich so: Kunst bietet mehr Freiheit. In den psychologischen Theorien haben wir immer Grenzen: Grenzen als Mensch, als Dasein, als Sozius, als Untereinander. Es geht um die Erfahrung der Begrenztheit des Menschen in einem bestimmten Kontext. Das ist etwas, was wir in der Psychologie immer sehr stark berücksichtigen müssen, weil es unser Verhalten beeinflusst. Bei der Kunst können wir das eben selbst frei bestimmen. Wir haben da keine Einschränkungen, je nach Objekt oder Technik oder Idee. Da können wir unser kreatives Potenzial vollkommen ausschöpfen. Natürlich hat auch die Kunst Grenzen: das Ende des Blattes; aber der Inhalt darf sich völlig frei entfalten.

Ich bin Psychologin geworden, weil mich die Dynamik zwischen Selbsterkenntnis und unseren bestimmten Voraussetzungen interessiert. Natürlich ist das ein Teil von uns, aber wir haben auch die Freiheit, uns selbst zu entfalten und herauszufinden, warum wir diese eine Entscheidung treffen und nicht eine andere. Das fand ich immer spannend.

Die Kunst war für mich immer ein Grundbedürfnis. Ich habe immer gemalt und kann mir ein Leben ohne nicht vorstellen. Ich hatte nie den Anspruch, auszustellen, aber jetzt habe ich eine Einzelausstellung und plane schon die nächste.