Ausgabe: März 2026

Liebe Leser*innen,

Rassist*innen, das sind immer die anderen. Die meisten Menschen weisen Rassismus-Vorwürfe empört von sich – und wenn, dann war das ja „so nicht gemeint“.

Dabei geht es nicht um einen Begriff, mit dem jemand abgestempelt werden soll. Es geht um die Haltung dahinter – rassistische Einstellungen, menschenverachtendes Gedankengut. Es geht um diskriminierende Verhaltensweisen, Hass und Hetze – aufgrund einer zugeschriebenen Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die scheinbar „anders“ ist als man selbst meint zu sein.

Es sind Erfahrungen, die wohl nur wenige dem Klischeebild eines Deutschen entsprechende Menschen jemals gemacht haben: allein aufgrund des Aussehens oder des Namens abgestempelt, ausgegrenzt, herabgewürdigt, gemobbt und stigmatisiert zu werden.

Auch Umfragen und Forschungsarbeiten bestätigen, dass rassistisches Denken und Verhalten weit verbreitet ist, bis tief hinein in die viel zitierte „bürgerliche Mitte“. Es ist ein Denken in Wertigkeiten: ich bin mehr wert, überlegener und bedeutsamer als mein Gegenüber. Auch wenn sich ein solches Denken nicht unmittelbar in diskriminierenden oder gar gewaltsamen Handlungen niederschlägt: allein schon die innere Einstellung, höherwertiger zu sein, ist ein Nährboden, auf dem rasch Schlimmeres entstehen kann. Wie rasant aus latentem, schleichendem Antisemitismus eine billigende Duldung des Holocaust werden konnte, sollte noch allen in Erinnerung sein.

Die Geschichte der Migration ist immer auch eine Geschichte von Rassismus. Egal wo Migrantinnen und Migranten ankommen, begegnen sie Ausgrenzung und Diskriminierung, nicht selten auch offenem Hass und Gewalt. Und nicht selten müssen auch noch deren Kinder und Kindeskinder diese Erfahrungen machen.

Doch zunehmend erfährt dies Gegenwehr. Zunehmend entwickeln Betroffene das nötige Selbstbewusstsein, rassistischem Denken und Handeln etwas entgegenzusetzen. Immer mehr Unterstützung kommt hier auch aus zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die Anstrengungen, Rassismus zurückzudrängen und die Bevölkerung ent- sprechend zu sensibilisieren, werden mehr. Und auch von staatlicher Seite wird – mit leider schwankender Intensität – versucht, zumindest extremen Auswüchsen von Rassismus Einhalt zu gebieten. Auch wenn rassistische Übergriffe, nicht zuletzt in den sozialen Medien, zunehmen und Rassismus heute streckenweise schon wieder „salonfähig“ geworden ist – auch die Gegenwehr erstarkt.

Deshalb sind auch die Aktionswochen gegen Rassismus, die im März nicht nur in Stuttgart, sondern auch in vielen anderen Städten dieses Landes stattfinden, so wichtig. Sie sind ein wertvoller Beitrag, das Bewusstsein für rassistische Denkmuster und deren Gefahren zu stärken, aber auch Möglichkeiten der Gegenwehr aufzuzeigen, zu empowern und die Betroffenen zu stärken. Wer sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung wendet, ist nicht allein – auch das machen die Aktionswochen gegen Rassismus deutlich, in Stuttgart nun schon seit über 10 Jahren, dieses Jahr wieder unter Beteiligung vieler Institutionen, Organisationen und Vereine.

Dabei laufen die Aktionswochen derzeit Gefahr, Opfer flächendeckender Sparmaßnahmen zu werden. – und dies obwohl es heute mehr denn je gilt, sich für eine Gesellschaft stark zu machen, die jeder Art von Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung energisch entgegentritt, die jede Form von Rassismus entschieden bekämpft.

Ihr

Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.