Humans of Stuttgart
Projekt von Literally Peace e. V.
Instagram: hostuttgart
www.literallypeace.com
Der Beitrag ist erstmals am 28. Januar 2026 auf Instagram erschienen.
Humans of Stuttgart
Wenn ich mein eigenes Haus hätte, wäre es rosa. Selbst die kleinste Fläche. Am liebsten mit Mickey-Mouse-Ohren auf dem Dach. Aber das geht leider nicht, wegen meiner Epilepsie.
Seit ich drei Jahre alt bin, lebe ich damit. Die Anfälle selbst bekomme ich nie mit, nur andere sehen sie. Sie schränken mich sehr ein. Eigentlich wollte ich im Kindergarten arbeiten, doch das ist nicht möglich. Jetzt arbeite ich bei der Lebenshilfe in Stuttgart. Die Arbeit hier macht mir viel Spaß. Die Leute sind nett, wir machen viel Quatsch und lachen viel. Außerdem bin ich Frauenbeauftragte. Ich will nicht, dass Frauen mit ihren Problemen allein bleiben. Wenn ich selbst Hilfe brauche, stehen meine Familie oder die Betreuer*innen mir zur Seite.
Heute habe ich Geburtstag und denke darüber nach, was ich mir wünschen würde, wenn ich jeden Wunsch frei hätte. Erstens: Nena einmal live sehen. Sie ist so schön und singt so gut. Leider geht das mit den flackernden Lichtern nicht. Zweitens: Bei „Sturm der Liebe“ mitspielen. Meine Familie würde mich im Fernsehen sehen und sagen: „Tümay, das bist du!“ Sie wären so stolz und würden sich sehr für mich freuen. Beide Wünsche wären mir ehrlich gesagt egal, wenn ich nur den einen Wunsch erfüllen könnte: meinen Papa noch einmal sehen.
Seit er 2023 von uns gegangen ist, fehlt er mir sehr. Wie fest er mich im Arm gehalten oder geküsst hat. Wie er mich gekitzelt oder mit mir Verstecken gespielt hat. Mein Bruder ist für mich da, doch sein Beruf als Lastwagenfahrer beansprucht ihn sehr.
Als mein Papa noch gelebt hat, sind wir als Familie oft verreist, bis nach Kroatien oder in die Türkei. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Mit meiner Cousine unternehme ich kleinere Ausflüge, und dank der Lebenshilfe konnte ich dieses Jahr mit einer Gruppe nach Venedig fahren. Das war wunderschön und hat richtig Spaß gemacht.
Seit einem Jahr habe ich keine Anfälle mehr. Ich bin so froh darüber und hoffe, das hält sich so. Dann kann ich nächstes Jahr wieder mit dem Team ein großes Abenteuer in Italien erleben.