Souad Massi: Zagate

Backing Tracks/Galileo

Ausgabe: Juni 2026

Souad Massi: Zagate

Seit der Jahrtausendwende hat die Franko-Algerierin Souad Massi Album für Album ihre Position als Grande Dame des arabischen Liedes gefestigt, wobei auch immer französisches Chanson und Rock Eckpfeiler ihrer Klangsprache waren. Das ist auf dem neuen, ihrem bereits neunten Werk, nicht anders.

Vor vier Jahren arbeitete sie für Sequana erstmals mit dem Produzenten Justin Adams. Der Brite führt auch dieses Mal Regie, und er legt als Spezialist für Wüstenblues vor allem die rhythmische Ausgestaltung wuchtig an. Zum Intro gibt es ein Afrobeat-Riff à la Fela Kuti, über dem sich eine heisere Schalmei erhebt, in „Congo Connection“ erhebt sich zu kantigen Gnawa-Beats die Stimme des kongolesischen Rappers Youssoupha. Ruppigen Berber-Rock gibt es im Titelstück mit viel Gitarren-Testosteron, nicht nur eine Reminiszenz an Massis Jugend in einer Hardrock-Combo, sondern auch eine zornige Anklage an alle Kriegstreiber.

Die arabischen Einflüsse kommen auf Zagate bei alldem nicht zu kurz: Oud und Flöten sind organisch eingebettet in die Band, und ein klangliches Highlight ist der schnurrende Viola D’Amore-Sound des Tunesiers Jasser Haj Youssef in einer beeindruckenden Friedens-Rezitation des arabo-andalusischen Philosophen Ibn Ruschd. In ein paar stillen Momenten schließlich rekurriert Massi in ihre folkige Frühzeit, etwa mit der wunderbaren Ballade Tili, bevor sie im Auslauf der Scheibe zu einem galoppierenden Electro-Rock à la française ausreitet.