Fachtag Sprache(n) und Macht

Sa, 9. Mai 2026, 9.30–16.30 Uhr
Jugendhaus, S-Degerloch
www.forum-der-kulturen.de/termine/fachtag-mehrsprachigkeit/

Mitveranstalter:

Heval Netzwerk/Amnesty Activism
Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V.
Elternstiftung Baden-Württemberg
Ernst Klett Sprachen

Ausgabe: Mai 2026

Nachgefragt

Was für einen Mehrwert hat Mehrsprachigkeit für Sie ganz persönlich?

Mehrsprachigkeit gehört für viele Menschen zum Alltag und ist Teil unserer gesellschaftlichen Realität. Dennoch werden Sprachen in unserer Gesellschaft unterschiedlich bewertet: Während einige Sprachen als Bildung und beruflicher Vorteil gelten, werden andere Sprachen häufig mit Defiziten verbunden.

Beim Fachtag Sprache(n) und Macht am 9. Mai 2026 im Jugendhaus Degerloch steht Mehrsprachigkeit und deren Sichtbarkeit im Mittelpunkt. Daher hat IN MAGAZIN-Redakteurin Tatjana Eberhardt vorab vier Expertinnen gefragt, was für einen Mehrwert Mehrsprachigkeit für sie ganz persönlich hat.

 

„Jede Sprache eröffnet neue Denkweisen, Kulturen und Perspektiven. Mehrsprachigkeit ist für mich weit mehr als ein praktisches Werkzeug, denn sie erweitert meinen Blick auf die Welt. Ich kann Menschen direkter begegnen, Missverständnisse reduzieren und mich differenzierter ausdrücken. Persönlich bedeutet Mehrsprachigkeit für mich Freiheit: die Freiheit, mich in verschiedenen Kontexten authentisch zu bewegen und ständig dazuzulernen. Sie stärkt zudem meine Empathie und hilft mir, mich besser in andere hineinzuversetzen.
Brigitte Bobic-Lomuscio, Gemeinnützige Elternstiftung Baden-Württemberg, frEi-Projekt/Koordination und Programm Selbstregulation

 

„Wir erziehen unseren Sohn mehrsprachig. Mehrsprachigkeit in binationalen Familien ist nicht nur ein Zeichen von sprachlicher Vielfalt, sondern auch ein Zeichen dafür, dass unsere mehrsprachig aufwachsenden Kinder Zugang finden zu den mit den Sprachen verbundenem kulturellen Wissen sowie Werten und ihren Wurzeln. Mehrsprachigkeit ist eine Bereicherung: Jede Sprache eröffnet neues Wissen und neue Welten und kann ein friedliches Zusammenleben in einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft unterstützen. Mehrsprachigkeit ist eine große Stärke, die in Bildungsinstitutionen leider noch immer nicht überall gleichermaßen anerkannt wird.
Stefanie Ceesay, Verband binationaler Familien, Regionalgruppe Stuttgart,  Projekt Menschen stärken Menschen

 

„Die hiesige Gesellschaft zieht eine klare Linie zwischen der „erwünschten“ und „nicht erwünschten“ Mehrsprachigkeit. Schulische Prestige-Fremdsprachen führen zur „erwünschten Mehrsprachigkeit“ mit hohem Bildungswert; Migrationssprachen dagegen genießen weder gesellschaftliches noch schulisches Ansehen. Erst im Studium lernte ich, welchen Vorteil Migrationsmehrsprachigkeit bringen kann – und dass Sprach-Hierarchien menschengemacht sind. Migrationsmehrsprachige sind in mehreren Welten zuhause; sie sind adaptiv im Denken und Handeln, können konstant zwischen Sprachen und Kulturen wechseln. Das hilft, sich schnell auf neue Herausforderungen einzulassen und Lösungen zu finden.“
Prof. Dr. Havva Engin, M.A., Pädagogische Hochschule Heidelberg, Institut für Erziehungswissenschaft, Leiterin von Hei-MaT dem Heidelberger Zentrum für Migrationsforschung und Transkulturelle Pädagogik

 

„Mehrsprachigkeit ist eine große Bereicherung und begleitet mich beruflich wie persönlich. Ich spreche fünf Sprachen, und je tiefer man eintaucht, desto mehr eröffnen sich neue Zugänge – zu Literatur, zu Kulturen und vor allem zu den Menschen. Jede Sprache schafft Nähe und ermöglicht Verbindungen, die sonst nicht entstehen würden. Diese Erfahrung prägt auch meine Arbeit im Sprachenverlag, wo wir Mehrsprachigkeit fördern und innovative Bildungsansätze unterstützen.“
Adriana Akin, Public Relations Manager bei Ernst Klett Sprachen