Kiana Naghshineh beim ITFS

Internationaler Wettbewerb 1
Path of Life
u. a. mit Kiana Naghshinehs
With tapes and toast in the car
Di, 5. Mai 2026, 19.00 Uhr
Mi, 6. Mai 2026, 13.00 Uhr

Foto: ©kimhoss
Ausgabe: Mai 2026

Filmemacherin Kiana Naghshineh

Ein Hoch auf den Scherenschnitt

In den vier Wettbewerbsprogrammen des Internationalen Wettbewerbs beim ITFS sind auch drei in Deutschland entstandene Kurzfilme vertreten. Einer stammt von Kiana Naghshineh, die von 2011 bis 2017 an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studiert hat und heute für das Studio Film Bilder in Stuttgart arbeitet – unter anderem für die Serie Animanimals.

Nach Holding Brothers Hand (2013) und Augenblicke (2018) ist With tapes and toast in the car bereits Naghshineh dritter Film, der im Wettbewerb des ITFS gezeigt wird. Darin erzählt die in Mannheim aufgewachsene Frau mit iranischen Wurzeln (die Eltern emigrierten in den späten 1980er Jahren) von einer jungen Frau, die mit einer tödlichen Krankheit konfrontiert wird und wichtige Entscheidungen treffen muss.

Formal bewegt sich der Kurzfilm in zwei Welten, einer realen mit eher statischen Motiven und einer geträumten, in der Dinge schweben und miteinander verschmelzen, im Weltraum. Die Farbpalette des Alls greift dabei das Design sowjetischer Briefmarken mit dem Konterfei von Weltraumhündin Laika auf. „Ich bin auf diese Motive im Zuge meiner Recherchen gestoßen“, erzählt Kiana Naghshineh. Für Traumsequenzen im Rahmen der Stuttgarter Operninszenierung Don Pasquale im Jahr 2018 hatte sie sich vom Beatles-Zeichentrickfilm Yellow Submarine (gezeichnet hatte damals der 2009 in Stuttgart verstorbene Grafiker und Illustrator Heinz Edelmann) inspirieren lassen.

Ebenfalls beeinflusst hat sie neben Animés auch Lotte Reiniger, deren Silhouetten-Animationsfilm Die Abenteuer des Prinzen Ahmed als weltweit ältester noch erhaltener Scherenschnittfilm Anfang Mai den 100. Jahrestag seiner Uraufführung begehen wird und beim ITFS mit der Originalmusik, live begleitet von einer kleinen Quintettbesetzung des SWR-Sinfonieorchesters, in den Innenstadtkinos aufgeführt wird. „Ich bin im Alter von 14/15 Jahren vermehrt auf die Werke von Lotte Reiniger gestoßen. Ihre Kunst, das Erzählte nur in der Fläche darzustellen, empfinde ich als total ästhetisch. Ihr Stil hat auch meine Designs geprägt“, so Naghshineh.