I only rest in the storm

(Originaltitel: O Riso e a Faca) Portugal/Guinea-Bissau 2025, 211 Minuten
Regie und Drehbuch: Pedro Pinho
Mit: Sérgio Coragem, Cleo Diára, Jonathan Guilherme u. v. m.
Start: 28. Mai 2026
Verleih: Grand Film

 

Foto: © Grand Film
Ausgabe: Mai 2026

I only rest in the storm

Schlaglicht auf eine postkoloniale Gegenwart

Ein portugiesischer Ingenieur bereist im Auftrag einer NGO das westafrikanische Guinea-Bissau, um dort den kritischen Bau einer durch Naturschutzgebiete führenden Straße zu beurteilen. Im Kontakt mit den dort lebenden Menschen wird er konfrontiert mit den vielen Widersprüche der ehemaligen Kolonie.

Jetzt bitte nicht gleich abschrecken lassen, wenn verraten wird, dass dieser beeindruckende Spielfilm fast dreieinhalb Stunden dauert. Wenn man nicht im Kino säße, könnte man es ja wie darin auftretende Protagonisten machen und sich zwischendrin mal einen Tee aufbrühen. Immer wieder wird die Hauptfigur, der mit dem Auto quer durch die Westsahara nach Guinea-Bissau anreisende Ingenieur Sérgio, dazu eingeladen. Gekommen ist er, um für eine NGO Gutachten gegen ein bereits in der Umsetzung begriffenes Straßenbauprojekt zu erarbeiten und zu beurteilen, soll die neue Trasse doch quer durch Naturschutzzonen und landwirtschaftlich genutzte Territorien führen. Bedroht werden sowohl seltene Nilpferdarten wie auch Bauern, die ohnehin schon unter der zunehmenden Versalzung ihrer Felder zu leiden haben.

Der portugiesische Filmemacher Pedro Pinho entwirft mit seinem neuen Werk ein verspieltes und zugleich sezierend scharfes Bild der postkolonialen Gegenwart des bis 1973 unter portugiesischen Einfluss stehenden Guinea-Bissau. Indem die Kamera der Hauptfigur folgt, hält sie Szenen, Stimmungen und Dialoge fest, in denen Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft dieses kleinen Landes verhandelt, diskutiert und des Öfteren auch in Frage gestellt werden. Immer wieder tun sich dabei anhand von Zugehörigkeiten und Klassenunterschieden Barrieren zwischen Menschen auf. Dabei geht es immer auch um die Privilegien der Reichen und ihre Einflussnahme auf die Politik, um die Arbeit von Hilfsorganisationen und ihre engen finanziellen und moralischen Handlungsspielräume im täglichen Konflikt auch mit Korruption, um Landflucht und schließlich auch um die Orientierung einer ganzen Gesellschaft.

Sérgio jedenfalls weiß – auch in Verbindung mit seinen queeren Begegnungen – bald selber nicht mehr, wie er sich in diesem Land voller Widersprüche positionieren soll. Die Stärke des Films ist dabei, dass er sich wie sein Protagonist treiben lässt.