Tomer Gardi: Liefern
In Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil „Mimesis“ aus dem Hebräischen übersetzt hat.
Tropen, 2026.
315 Seiten.
Tomer Gardi: Liefern
Ein köstliches „Lesefutter“ hat uns der Berliner Schriftsteller Tomer Gardi zubereitet! In seinem neuen Roman Liefern wird Essen geliefert, in Delhi, Tel Aviv, Istanbul, Berlin und Buenos Aires. Mit hohem Tempo wird es vom jeweiligen Lieferservice ausgefahren. Temporeich ist auch die Erzählung, etwa in Buenos Aires, wo die Observierung eines ahnungslosen Riders in eine Gruppen-Verfolgungsjagd mündet.
Beim Lesen wird man zu einer Insiderin des Lieferservice-Geschäfts, das weltweit ähnlich abläuft. Aufträge ploppen auf dem Handydisplay auf, dann die Route, die zwischen Restaurant und Besteller zurückgelegt werden muss. Man fiebert mit den Ridern mit, die ein besseres Leben anstreben, aber erst mal mit Abzocke, schlechten Rädern und Verkehrsunfällen zu kämpfen haben.
Das Thema ist ernst und global, aber es ist so menschlich verpackt und so großartig geschrieben, dass man sich von den Figuren mitreißen lässt. Weder Sex noch Religion wird ausgespart. Wird es Filmon, der in Tel Aviv mit falschen Papieren für einen Lieferservice arbeitet, zu seiner Frau und Tochter, die nicht mehr Israel heißen möchte, nach Berlin schaffen? Immerhin sind die drei schon vor Jahren aus Eritrea entkommen. Haben Nina aus Berlin und Ramón aus Buenos Aires eine gemeinsame Zukunft oder bleibt es bei ihrer Auszeit-Bekanntschaft in Delhi?
Das Buch endet mit den Rosen, die Kenia zum Valentinstag nach Europa liefert. Akiny, die Schneiderin gelernt hat, hat einen der begehrten Jobs auf einer Rosenfarm ergattert. Dann waren die Rosen verschickt und Akiny wieder arbeitslos. Sie näht sich vom Lohn ein Abendkleid, besucht die Valentinsparty im Blue Hippo, wo Journalist*innen, Investor*innen und NGO-Mitarbeiter*innen feiern. Sie lernt Lukas von Fairtrade International kennen. „Sie ging zu ihm. Ja, er war reif. Oh, hello, sagte sie zu ihm, want to dance?“