A Missing Part
Originaltitel: Une part manquante
Belgien/Frankreich 2024
98 Minuten
Regie und Drehbuch: Guillaume Senez
Mit: Romain Duris, Judith Chemla, Mei Cirne-Masuki u. a.
Start: 2. April 2026
Verleih: Film Kino Text
A Missing Part
Vater sucht Tochter
Bill Murray in Lost in Translation, Doris Dörrie mit ihren Kirschblüten-Dramen, kürzlich ein Comiczeichner in Winter in Sokcho und Gérard Dépardieu in Der Geschmack der kleinen Dinge als Koch auf der Suche nach einem besonderen japanischen Rezept – die Liste an Filmen, in denen Westler Japan bereisen, ist lang. Roman Duris spielt nun Jay, der, so stellt sich heraus, länger schon als Koch in Tokio lebt – im Unterschied zu den vorgenannten Filmhelden jedoch ein ausgezeichnetes Japanisch spricht.
Allerdings verdient er sich zwischenzeitlich seinen Lebensunterhalt und die Alimente für die bei ihrer Mutter lebende zwölfjährige Tochter als Taxifahrer. Als solcher kennt er sich in Tokio aus, weiß auch um die Tücken des japanischen Sorgerechts, das nicht nur ihn als fremden „Gajin“ betrifft, sondern – wie man bei Sitzungen von Selbsthilfegruppen für „ausgesperrte“ Elternteile mitbekommt – auch japanische Familien. Wichtig sei dabei stets, dass „die Stabilität des Kindes gewahrt bleibe“, erläutert er der in einer ähnlichen Situation steckenden Landsfrau Jessica. „Bleib cool und handle Zen“, rät er ihr. Wie schwer das ist, wenn’s in Bezug auf eine familiäre Wiedervereinigung ernst wird, erlebt er eines Tages selbst, als ein Mädchen in sein Taxi steigt, von dem er meint, es könnte seine Tochter Lily sein.
Neben der besonderen Vorstellung, wie sich eine Weinflasche mit einem Schuh entkorken lässt, und Jarmusch-typischen Taxiszenen entfaltet sich ein leises und hochemotionales Melodram über einen Mann in der Fremde, der sich längst schon nicht mehr wundert, dass man in Japan zum Abreagieren von Wut in Läden geht, in denen man sich einen Helm aufsetzt und mit einem Baseballschläger das Mobiliar zertrümmert.