Weike Wang: Die Ferien

Weike Wang: Die Ferien
Aus dem Amerikanischen von Andrea O‘Brian.
Kjona Verlag, 2025.
205 Seiten.

 

Ausgabe: März 2026

Weike Wang: Die Ferien

Bei einer Halloweenparty an ihrer Uni haben sie sich kennengelernt. Nate, der über das Wesen von Fruchtfliegen forscht und aus einer einfachen US-Familie stammt, verkleidete sich dafür als Weißer Hai. Keru, Tochter chinesischer Einwanderer ging als Unentschlossenheit. Sie wurden ein Paar, heirateten, und verbringen nun Ferien mit den Eltern und Schwiegereltern. Nicht alle sechs zusammen, sondern immer nur zu viert. Hirtenhund Mantou (was auf Chinesisch „Hefebrötchen“ bedeutet) ist auch dabei. Die in der Minderheit befindliche Herkunftskultur hat jeweils meist keinen leichten Stand – auf Vorurteilen basierende Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Die New Yorkerin Weike Wang schreibt in ihrem auf Deutsch erschienenen Roman Die Ferien eigentlich über zwei zeitlich versetzte Urlaube. Wie ihre Protagonistin stammt auch sie von chinesischen Immigrant*innen mit inzwischen US-Staatsbürgerschaft ab, kann also aus eigener Erfahrung über das Aufeinandertreffen kultureller Besonderheiten zwischen weißen US-Amerikanern und chinessischstämmigen berichten, weiß um die Entfremdung, in einem anderen kulturellen Kontext als dem der Eltern aufzuwachsen – und vom Klischee, als „ungehobelte Asiatin“ zu gelten, nur weil Nettigkeiten vielleicht nicht gleich mit einem Lächeln quittiert werden. Immer wieder muss man Schmunzeln über den trockenen Humor des Geschriebenen und die Eigenheiten der Beteiligten.

Im der zweiten Ferienauszeit treffen Keru und Nate auf eine rumänienstämmige Familie, auch sie in die USA emigriert. Mit deren Einladungen und Aktivitätenvorschlägen kann das Paar nicht immer gleich etwas anfangen, ein wenig spürt man zwischen den beiden auch eine gewisse Anspannung, besonders als darüber diskutiert wird, was besser sein soll: in einer bikulturellen Partnerschaft zu leben oder sich den Partner innerhalb der eigenen Herkunftsgemeinschaft zu suchen. Weike Wang versteht es, auf lakonische Weise über die kunterbunte und interkulturell zusammengewürfelte US-Gesellschaft zu schreiben.