V. V. Ganeshananthan: Der brennende Garten

Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz.
Klett-Cotta, 2025.
464 Seiten.

Ausgabe: Februar 2026

V. V. Ganeshananthan: Der brennende Garten

Bücher sind wunderbar, sie haben die Kraft, uns aus unseren Leben herauszuheben und an fremde Orte zu bringen. V. V. Ganeshananthans Brennender Garten entführt die Lesenden ins Sri Lanka der 80er-Jahre, zu Beginn des 25 Jahre andauernden Bürgerkriegs zwischen Singhalesen und Tamilen. Für viele, auch für die damals 16-jährige Protagonistin Sashi, werden sich die Wunden auch Jahrzehnte später nicht geschlossen haben.

Die junge Frau bereitet sich auf ein Medizinstudium vor, als die Gewalt gegen die tamilische Bevölkerung ausbricht und tausende Menschen ihr Leben verlieren. Die Unruhen bringen nicht nur ihre berufliche Zukunft in Gefahr, sondern lassen nach und nach auch ihre Familie, die Halt und Mittelpunkt ihres Lebens sind, auseinanderbrechen. Sich politisch zu engagieren ist ebenso lebensgefährlich wie sich nicht zu positionieren. Schließlich entscheidet sich Sashi, im Krankenhaus der Separatistengruppe Tamil Tigers mitzuarbeiten, wenn auch eher aus persönlichen Motiven denn aus politischer Überzeugung. Aber ist es die richtige Entscheidung, wenn es eine solche überhaupt gibt? Die Gräueltaten der einen Seite stehen denen ihrer Opponent*innen in nichts nach. Sashi beginnt, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren… eine Aufgabe, die sie nie wieder loslassen wird.

V. V. Ganeshananthans Roman zieht die Leser*innen in einen unwahrscheinlichen Sog. Weder kann man das Buch aus der Hand legen, noch lässt es sich gerade wegen seiner Intensität und emotionalen Ansprache in einem Zug lesen. Für diesen ihren zweiten Roman Der brennende Garten (Originaltitel: Brotherless Night) erhielt Ganeshananthan mehrere Auszeichnungen, darunter den renommierten britischen Women’s Prize for Fiction. Die US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin tamilischer Abstammung unterrichtet Creative Writing an der University of Minnesota.