Lola Merz Robinson im JES

Blutbuch
(ab Klasse 10)
13. und 14. Januar 2025, 19 Uhr
15., 16. und 19. Januar, 11 Uhr
Junges Ensemble Stuttgart (JES);
www.jes-stuttgart.de
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Im Dezember 2025 und Januar 2026 ist Lola Merz Robinson außerdem in folgenden Stücken im JES zu sehen:
Fred und ich
Der Hoffnungsvogel
Das Herz eines Boxers

 

Foto: Foto: Julia Sang Nguyen
Ausgabe: Dezember 2025 – Januar 2026

Schauspieler*in Lola Merz Robinson

„Sichtbarkeit passiert nicht von selbst“

Die Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen begleitet Lola Merz Robinson seit der Grundschule – inzwischen ist daraus eine Berufung geworden. Als Teil des Jungen Ensembles Stuttgart begeistert sich they noch immer für die verbindende Kraft von Erzählungen und gibt diese an junges Publikum weiter.

„Schauspiel bedeutet für mich, jedes Mal Mut aufzubringen – meinen Körper und meine Stimme immer wieder anders kennenzulernen“, so beschreibt Lola Merz Robinson das, was they am Spielen besonders fasziniert. Mit bayrisch-amerikanischen Wurzeln in München aufgewachsen, sammelte Lola früh Erfahrungen in der Theater-AG der Grundschule. Schon damals war das Interesse am Erzählen und am Spiel im Kontakt mit anderen groß.

Erste Theaterbesuche weckten Bewunderung für die Menschen auf der Bühne, deren Selbstbewusstsein Lola beeindruckte. Sich selbst erlebte they eher schüchtern: „Ich war oft unsicher, vielleicht auch, weil ich in der Schule Erfahrungen mit Ausgrenzung gemacht habe“. Das Selbstvertrauen der Schauspielenden wünschte sich Lola auch für sich selbst.

In der Realschule gründete Lola mit Freund*innen eine Theatergruppe und spielte lange im Laientheater, was them große Freude bereitete. Während der Fachoberschule folgte ein Schülerpraktikum in der Requisite des Münchner Residenztheaters. Zu sehen, wie viele Menschen dort gemeinsam etwas entstehen lassen, war für them ein weiterer Impuls Richtung Schauspiel. Lola bewarb sich daraufhin an Schauspielschulen in München, erhielt aber zunächst keine Zusage. „Professionell zu spielen schien mir damals etwas für andere zu sein“, erinnert they sich.

Das änderte sich, als eine Dozentin aus dem Laientheater Lola einlud, an ihrer privaten Schauspielschule vorzusprechen – mit Erfolg. Nach dem Abschluss bewarb sich Lola direkt beim Jungen Ensemble Stuttgart (JES). Obwohl they erst skeptisch war und noch kaum Inszenierungen für Kinder und Jugendliche gemacht hatte, fühlte sich Lola dort sofort wohl. „Ich habe mich beim Vorsprechen direkt verliebt“, sagt Lola und lacht.

Theater für junge Menschen muss politisch sein

Beim Theater für junges Publikum sei es wichtig, einen ehrlich-verletzlichen Ton zu treffen, der Reflexion und Gespräche anregt. Theater für junge Menschen könne und müsse politisch sein, betont Lola. Doch mit seinen Inszenierungen möchte das JES keine Moral predigen, sondern vielmehr verschiedene Lebensrealitäten, Körper und Muttersprachen sichtbar machen. „Sichtbarkeit passiert nicht von selbst, man muss sich aktiv dafür entscheiden“, erklärt Lola. Es braucht die Verbindung zwischen dem Erzählen fiktionaler Geschichten und der Repräsentation durch echte Menschen, die die Diversität des Publikums widerspiegeln.

Mit der Zeit am JES hat sich auch Lolas Blick auf das Schauspielen verändert. Während they sich früher vor allem als Gefäß für die Vision der Regie sah, spielt für Lola heute auch Repräsentation eine entscheidende Rolle. „In meiner Kindheit habe ich kaum Menschen gesehen, die so aussahen wie ich“, beschreibt they. So wurde them über die Jahre immer bewusster, wie wichtig es ist, eine Stimme zu haben und Persönliches einfließen zu lassen.

Bei Stückentwicklungen am JES fließen all diese Aspekte ein. „Jede Produktion hat tolle Momente, weil man immer wieder mit spannenden, unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommt“, sagt Lola. Vertrauen und Offenheit prägen die Zusammenarbeit. So sind schon die Proben Momente wechselseitiger Wertschätzung.

Theater für Kinder und Jugendliche ist für Lola aus mehreren Gründen besonders spannend. Für viele Gäst*innen ist es der erste Theaterbesuch. Reaktionen sind oft direkter, lauter, ehrlicher. „Kinder und Jugendliche sollen bei uns Kinder und Jugendliche sein dürfen. Ihre Reaktionen sind erwünscht, denn wir machen das für sie“, betont Lola.

Die Perspektive der Kinder ist dabei wesentlich. Bei Lolas letzter Produktion, einer Bühneninszenierung von Kim de l’Horizons Blutbuch, war der Austausch besonders bereichernd. Der Text behandelt Themen wie Familiendynamiken und queere Identitäten und beschäftigte das junge Publikum spürbar. „Man hat gemerkt, dass manche mit Themen wie Pronomen oder Queerness bisher noch wenig Berührung hatten. Trotzdem waren sie neugierig und schnell offen dafür“, erinnert sich Lola.

Sichtbarkeit und Community-Arbeit beschäftigen Lola auch abseits des Theaters. Besonders wichtig ist them die Vernetzung verschiedener marginalisierter Gruppen. Lola ist vor allem in der Schwarzen und queeren Community Stuttgarts aktiv und bereits in die Vorbereitungen für den Black History Month im Februar eingebunden. They möchte sich dafür einsetzen, dass zwischen verschiedenen Communitys mehr Zuhören, Zusammenhalt und Offenheit für unterschiedlichen Realitäten entstehen – auf und neben der Bühne.