Tupoka Ogette: Trotzdem zuhause
Lesung und Vortrag.
Moderation: Dahab Borke.
Do, 29. Oktober 2026, 20.30 Uhr
Theaterhaus Stuttgart, S-Feuerbach
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Interview mit Tupoka Ogette
„Eine Ode an die Gleichzeitigkeit"
Frau Ogette, Ihr neues Buch gibt sehr persönliche Einblicke in Ihr Leben. Warum haben Sie dieses Memoir geschrieben und weshalb zu diesem Zeitpunkt in Ihrem Leben?
Memoirs eröffnen ein Tor in einen Raum. Einen Raum, in dem Lesende etwas über eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Ort aus einer bestimmten Perspektive erfahren. In diesen Raum kann man eintreten. Man kann sich selbst finden. Man kann Neues entdecken. Man kann mitfühlen, irritiert sein, berührt oder amüsiert. Mein Memoir ist ein Blick auf das Deutschland der 80er, 90er Jahre und frühen 2000er. Ich selbst habe Memoire als eine Art Wissensdatenbank mit Seele erlebt.
Für wen haben Sie Trotzdem zuhause geschrieben? Und wer sollte es, Ihrer Meinung nach, auf jeden Fall lesen?
Der Prozess des Schreibens war für mich. Ich wollte verstehen wie ich die geworden bin, die ich heute bin. Im fertigen Buch dient das Ich nicht dem Selbstzweck. Jetzt ist es eine Einladung an alle. Einzutreten, in den Resonanzraum Memoir, und zu schauen was man entdecken kann. Es ist ein Buch über das Menschsein. Über die Ambiguität, die Komplexität der menschlichen Erfahrung. Es geht um Freund*innenschaft, starke Mütter, die DDR, die Baseballschlägerjahre, Kreuzberg. Es geht um Trauma und Gewalt aber auch um Liebe, Resilienz und Selbstermächtigung. Es ist eine Ode an die Gleichzeitigkeit. Wer damit räsoniert, gehört auf jeden Fall zu den Menschen, die ich herzlich einlade, das Buch zu lesen.
Sie schreiben, Ihr Buch lege „den Finger in die eine oder andere gesellschaftliche Wunde“. Über welche dieser Wunden sollten wir als Gesellschaft dringend sprechen und anfangen sie zu versorgen?
Ich schreibe neben vielen schönen Dingen über die Suche nach Zugehörigkeit außerhalb einer normierenden Kraft, über rassistische, sexistische und sexualisierte Gewalt. Darüber, wie schwer es Alleinerziehenden gemacht wird. Über diese riesige Narbe, die unser Land bis heute noch – zumindest in unseren Köpfen – teilt.
Ein wiederkehrendes Thema des Buches ist die Suche nach Zugehörigkeit als Schwarzes Mädchen. Was wünschen Sie sich für junge Schwarze Menschen, die jetzt in Deutschland aufwachsen?
Ich wünsche ihnen Orte und Menschen, bei denen sie sich gesehen, ernst genommen und geliebt fühlen. Ich wünsche ihnen ein Land, welches sich selbst endlich in die Verantwortung nimmt und den rechten Rattenfängern endlich den Garaus macht. Ich wünsche ihnen Räume, in denen sie Kraft sammeln, Freude tanken, Residenz aufbauen und möglichst viel Zuversicht ansammeln können. Sie werden sie brauchen.