Lange Nacht der Demokratie
Offene Chöre, offene Gesellschaft
Chorkonzert
2. Oktober 2026, 20 Uhr
Leonhardskirche, S-Mitte
Informationen zur Veranstaltung und den Chorproben
Chorkonzert zur Langen Nacht der Demokratie
Gemeinschaft und Zugehörigkeit
Bereits 400 Jahre vor unserer Zeitrechnung glaubte der griechische Philosoph Platon, dass Menschen aus dem Bedürfnis nach sozialer Harmonie und Zugehörigkeit heraus gemeinsam singen. Diese Ansicht teilen Wissenschaftler*innen bis heute und es ist mittlerweile mehrfach belegt, wie gemeinsames Singen den Zusammenhalt stärkt. Und das nicht nur in einer kleinen Gruppe, sondern auch in großen Menschenmengen: eine Erfahrung, die viele Menschen beispielsweise auch durch Konzert- oder Stadionbesuche bezeugen können. Sich wildfremden Menschen durch ein gemeinsames Lied nahe zu fühlen, scheint plötzlich ganz einfach.
„Musik bedeutet für mich vor allem, mit der Sprache der Melodie vieles ausdrücken zu können, was man manchmal mit Worten nicht sagen kann. Sie verbindet Menschen, auch wenn sie nicht dieselbe Sprache sprechen“, sagt Murat Şahin, Leiter des Kırlangıçlar Kinder- und Jugendchors von KSI – Kultur- und Sozialinitiative für Jugendliche und Kinder e. V. Als Leiter eines Chors für Sänger*innen zwischen sechs und 21 Jahren, von denen die meisten mit der türkischen und der deutschen Sprache aufwachsen, misst er insbesondere dem gemeinsamen Singen in jungen Jahren eine hohe Bedeutung zu. „Gerade für Kinder und Jugendliche, die mit zwei Sprachen und zwei Kulturen aufwachsen, kann Musik eine Brücke sein. Eine Brücke zwischen dem, was sie sind, woher sie kommen und wo sie heute leben.“ Und: „Durch die Musik kann ich sie erreichen, ihnen etwas mitgeben und ihnen vielleicht auch helfen, ihren eigenen Platz zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen zu finden.“
Gemeinsames Singen kann auch mit fortgeschrittenem Alter verbinden und vor allem auch allen Zuhörenden große Freude bereiten. Diese Erfahrung macht Viktoria Mehlhaff, Leiterin von Heimatmelodie, dem russisch-deutschen Chor des Vereins Eurasia e. V. immer wieder. „Die Musik löst etwas in den Menschen aus“, erzählt sie. Auch in Momenten, in denen man meint, sie bekämen nicht mehr viel von ihrer Umwelt mit – diese Erfahrung hat sie in Altersheimen gemacht. Sie möchte den Menschen mit ihrem Chor Schwung, Spaß und Energie bringen. Und es funktioniert: „Bei einem Konzert haben die Menschen irgendwann getanzt.“
Gemeinsam mit anderen Chören ein Konzert aufzuführen und sich untereinander zu vernetzen, ist für die Leiterin von Heimatmelodie besonders schön. So veranstaltet ihr Chor am 24. Oktober ein großes Erntedankkonzert, bei dem auch andere Chöre auf der Bühne vertreten sein sollen.
Auch im Chor „Agios Kosmas“ Elliniki Chorodia Stutgardis der Griechisch-Orthodoxen Gemeinde von Baden-Württemberg e. V. herrscht eine große Begeisterung für das gemeinsame Singen. Für den vorliegenden Artikel antworten die Chormitglieder gemeinsam schriftlich auf die gestellten Fragen. In ihrem Schreiben betonen sie: „Wer im Chor mitsingt, fühlt sich als wichtiger Teil des Ganzen, da jede einzelne Stimme gebraucht wird – egal ob Sopran, Alt, Tenor oder Bass.“ Das gemeinsame Singen bedeute für sie „Lebensfreude, die uns durch den Alltag trägt.“ – „Singen verbindet uns über Generationen und Herkünfte hinweg, schafft ein starkes Wir-Gefühl und lässt echte Freundschaften entstehen.“
Musik verbindet Menschen, wo manchmal die Worte fehlen
Singen verbindet, darin sind sich alle einig: Es verbindet diejenigen, die miteinander singen, diejenigen, die ihnen zuhören und alle gemeinsam. Das zeigen die Gespräche mit den Chorbeteiligten gleichermaßen wie die wissenschaftliche Forschung. Singen scheint auch durch seine emotionale Komponente als eine verbindende Sprache zu bestehen, wo ansonsten schnell Barrieren empfunden werden. Beim Konzert am 2. Oktober werden Lieder in den Sprachen Deutsch, Georgisch, Griechisch, Kroatisch, Russisch, Türkisch und Ukrainisch zu hören sein. Doch egal, welche Sprache, welche Herkunft oder welcher sozioökonomische Status: Gemeinsam singen oder Musik zu hören ist immer möglich, es ist eine Fähigkeit, die alle Menschen verbinden kann.
„Vielleicht ist genau das für mich das Schönste am Chorsingen“, sagt Murat Şahin: „Viele unterschiedliche Stimmen werden zu einem gemeinsamen Lied. Jede Stimme bleibt einzigartig, aber zusammen entsteht etwas Gemeinsames.“ – Und das auch mit allen, die das Konzert am 2. Oktober in der Leonhardskirche besuchen wollen: Als letzten Bühnenbeitrag wird das Lied „Die Gedanken sind frei“ von allen Chöre gemeinsam gesungen und auch alle im Publikum sind eingeladen, ihre Stimmen zur Langen Nacht der Demokratie zu erheben – Glückshormone inklusive; auch das ist wissenschaftlich belegt.
Beteiligte Vereine
„Agios Kosmas“ Elliniki Chorodia Stutgardis
„Der Chor existiert seit 2018, wird geleitet von zwei ausgezeichneten Musiklehrern die Dirigentin und Sopranistin Panagiota Pavlidou und ihrem Ehemann den Pianisten Nektarios Stavratis. Unser Motto ist Freude geben, Erhaltung und Weitergabe der traditionellen Musik, Zusammentreffen und Kommunikation.“
Eurasia e. V.
„Der Integrationsverein Eurasia e. V. wurde 2019 gegründet. Seine Mitglieder – Erwachsene wie Kinder – verbindet die gemeinsame Leidenschaft für die Kunst.
Bereits im Jahr 2015 begann der Chor „Heimatmelodie“, als sich eine Gruppe interessierter Menschen zusammenfand, angetrieben von dem starken Wunsch gemeinsam zu singen, Kontakte zu knüpfen und Zeit miteinander zu verbringen. Durch unsere kreativen Aktivitäten haben wir uns mit anderen Künstlergruppen/Chören aus Stuttgart und der Umgebung vernetzt. Es ist für uns zur Tradition geworden, andere Gruppen bei uns zu empfangen und ihnen Gegenbesuche abzustatten.
Aber es gibt ein anderes Leben des Kollektivs und das ist auch sehr wertvoll für uns. Es ist, wie wir uns selbst organisieren und unsere Freizeit verbringen. In jedem Menschen gibt es ein schöpferisches Prinzip, das, wenn es in eine fruchtbare Umgebung gerät, zu wachsen und sich zu verwirklichen beginnt. In unserem Team sind viele Nationalitäten vertreten. Für uns ist dies nicht bloß ein Chor für Konzerte – es ist unsere Familie. Wir sind von herzlichen Menschen umgeben, die sich gegenseitig aufrichtig unterstützen.
Während wir die Geschichte unseres Vereins, unseres Chors und unseres lebendigen Miteinanders erzählen, möchten wir alle, die sich ein erfülltes, kreatives Leben wünschen, herzlich dazu einladen, sich uns anzuschließen.“
GEO Studio – Georgische Tanz- und Musikschule Stuttgart
„GEO Studio ist die Tanz- und Musikschule des Georgischen Kultur-Hauses e. V. in Stuttgart. Neben georgischem Tanzunterricht vermittelt die Schule auch die traditionsreiche georgische Polyphonie, die von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt wurde. Die Sängerinnen und Sänger pflegen traditionelle georgische Lieder aus verschiedenen Regionen Georgiens und verstehen Musik als Brücke zwischen Kulturen. Die Gruppe steht Menschen unterschiedlicher Herkunft offen und fördert Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen.“
Kırlangıçlar Kinder- und Jugendchor
„Unser Kırlangıçlar Kinder- und Jugendchor wurde im Jahr 2012 von Murat Şahin unter dem Dach des KSI gegründet und setzt seine Arbeit bis heute erfolgreich fort. Der Chor hat bereits an zahlreichen internationalen Chorfestivals teilgenommen.
Darüber hinaus trat unser Chor bei der Buchpräsentation des geschätzten Zülfü Livaneli auf, war zu Gast im Programm des deutschen öffentlich-rechtlichen Senders SWR und wirkte in verschiedenen Musikprojekten in Zusammenarbeit mit UNICEF mit. Außerdem wurden gemeinsame Projekte mit unterschiedlichen Vereinen, Institutionen und deutschen Kinderchören realisiert. Mit der Unterstützung des Deutsch-Türkischen Forums (DTF) wurden zahlreiche Konzerte veranstaltet.
Aktuell zählt unser Verein insgesamt 43 aktive Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 19 Jahren, die im Chor mitsingen. Wir proben wöchentlich samstags im Stuttgarter Osten.“
Ukrainische Kinderchor Sonnenblumen
„Wir sind der ukrainische Kinderchor Sonnenblumen, der im September 2022 in Stuttgart gegründet wurde. Kinder aus der ganzen Ukraine sind durch die Musik miteinander verbunden. Unser Ziel ist es, die ukrainische Kultur zu fördern, aber wir lernen auch die deutsche Kultur durch Musik und Gesang kennen. Musikalische Leiterin ist Ruslana Chukas.“
Zbor Mladih Stuttgart
„Der Zbor Mladih Stuttgart ist ein Jugendchor für circa 14- bis 30-Jährige und hat circa 70 Mitglieder, von denen ca. 50 aktiv sind. Wir sind ein unabhängiger Kirchenchor, der aus dem Verein Kroatische Gemeinschaft Herzegowina e. V. entstanden ist. Wir singen auf kroatisch und unsere Konzerte haben großen Zulauf.“