Mentorinnen-Programm für Migrantinnen

Infoveranstaltungen:
1. und 16. Dezember 2025, 17–18 Uhr
Programmstart: März 2026
BeFF – Berufliche Förderung von Frauen e.V.
Lange Str. 5, S-Mitte
Anmeldung:
BeFF

 

Erfolgreiches Tandem: Mentorin Johanne Heck-Parsch (li) und Mentee Maria Valentin (re).
Foto: Syvia Rizvi
Ausgabe: Dezember 2025 – Januar 2026

Wie Mentoring Frauen stark macht

Marias Weg in den Beruf

Für ausländische Fachkräfte ist die Jobsuche zuweilen eine Herausforderung: Die Sprache ist schwer, der Berufsabschluss noch nicht anerkannt, und die Bewerbungsverfahren laufen in Deutschland anders ab. Ein Mentoring-Programm hilft Migrantinnen, beruflich Fuß zu fassen. Auch Maria Valentin fand Unterstützung.

Maria Valentin studierte in Prag Marketing und Kommunikation. Mit dem Master in der Tasche zog sie vor fünf Jahren zu ihrem Mann nach Deutschland. Der berufliche Neustart fiel ihr schwer: „Ich fühlte mich unsicher, alles war neu, es gab viele kulturelle Unterschiede – und ich sprach kein Deutsch“, sagt die 35-Jährige. Zunächst arbeitete sie im Kosmetikbereich. „Das war ok, aber ich wollte mich weiterentwickeln und in meinem Beruf arbeiten.“

So kam sie 2023 zum landesweiten Mentorinnen-Programm der „Kontaktstelle Frau und Beruf“. In der Region Stuttgart wird es beim Verein BeFF (Berufliche Förderung von Frauen e. V.) angeboten. Dort lernte sie ihre Mentorin Johanne Heck-Parsch kennen. „Ein Glücksfall“, sagt Maria Valentin.

Zwei Drittel der Mentees fanden 2024 eine Anstellung

Im Programm begleiten erfahrene Mentorinnen – oft selbst Migrantinnen – ihre Mentees sechs bis zwölf Monate lang. Sie helfen, Berufsperspektiven zu klären, Bewerbungsstrategien zu entwickeln und Netzwerke aufzubauen. Das Programm bietet zudem Besuche auf Jobmessen, Bewerbungscoachings und vermittelt Praktika. Voraussetzung für Mentees sind ein Berufsabschluss, eine Arbeitserlaubnis und gute Deutschkenntnisse.

Projektauftakt bei BeFF im März 2025. Foto: BeFF, Nela Tokić

Seit dem Programmstart 2017 nahmen in Baden-Württemberg über 700 Mentees teil. Allein 2024 fanden zwei Drittel der Teilnehmerinnen eine Anstellung, von den anderen begannen viele eine Weiterbildung, eine Ausbildung oder ein Praktikum.

Mentorin Johanne Heck-Parsch ist seit drei Jahren dabei, Maria Valentin ihre dritte Mentee. Die Unternehmensberaterin engagiert sich ehrenamtlich aus Frauensolidarität: „Ich wurde selbst von Frauennetzwerken auf meinem Berufsweg sehr unterstützt.“ Durch die Arbeit lerne sie zudem Menschen aus anderen Berufen und Kulturen kennen – eine echte Horizonterweiterung.

Ein Jahr lang bildeten die beiden ein Tandem. Sie analysierten Maria Valentins Stärken und entwickelten eine klare Strategie: „Wir überlegten, was sie beruflich möchte und welche Stellen zu ihr passen“, erzählt Heck-Parsch. Gemeinsam überarbeiteten sie danach ihren Lebenslauf. „Die Gespräche waren super hilfreich“, sagt Mentee Maria.

In Stuttgart nahmen bislang rund 100 Tandems am Programm teil, berichtet BeFF-Vorständin Inge Zimmermann. Aktuell seien es 18. Viele Teilnehmerinnen kämen aus Osteuropa, Asien, der Ukraine, Lateinamerika oder Afrika. „Die meisten sind Akademikerinnen zwischen Ende 20 und 40 – etwa Ingenieurinnen, Pädagoginnen oder Marketing-Fachfrauen. „Wir unterstützen qualifizierte Migrantinnen, damit sie schneller in den Beruf finden und wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen.“ Und davon profitiert auch der heimische Arbeitsmarkt. Maria Valentin etwa fand nach einigen Monaten einen qualifizierten Job und arbeitet im Marketing eines Intensivpflegedienstes. „Meine neue Firma unterstützt mich sehr, und mit der Sprache komme ich inzwischen gut zurecht.“