Antonio Potenza
Foto: Alex Wunsch
Ausgabe: Juli - August - September 2026

Antonio Potenza, Geschäftsführer und Kassierer der IG Metall Stuttgart im Interview

„Soziale Gerechtigkeit, kulturelle Vielfalt und Demokratie gehören zusammen“

Die IG Metall Stuttgart ist seit vielen Jahren eine Hauptsponsorin des Sommerfestivals der Kulturen. Warum das so ist und welche Gemeinsamkeiten die Gewerkschaft und das Forum der Kulturen darüber hinaus verbinden, darüber spricht Geschäftsführer und Kassierer Antonio Potenza im Interview.

Ein Interview von Angelika Brunke.

Herr Potenza, was gefällt Ihnen als Vertreter der IG Metall Stuttgart am Sommerfestival und an der Arbeit des Forums der Kulturen?

Das Forum der Kulturen schafft etwas, das in einer vielfältigen Stadt wie Stuttgart unverzichtbar ist: Begegnung auf Augenhöhe. Es bringt Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Perspektiven und kulturellen Hintergründen zusammen – nicht abstrakt, sondern konkret erlebbar. Das Sommerfestival ist dafür ein starkes Symbol: offen, lebendig und solidarisch. Diese Form des Miteinanders entspricht auch unserem gewerkschaftlichen Verständnis von Zusammenhalt.

Welche Rolle spielen gesellschaftliche Teilhabe, Diversität und politische Bildung für die Arbeit der IG Metall?

Sie stehen im Zentrum unserer Arbeit. Gute Arbeits- und Lebensbedingungen entstehen nur, wenn alle Menschen beteiligt sind und ihre Interessen vertreten werden. Diversität ist dabei kein Zusatz, sondern Realität in den Betrieben. Politische Bildung hilft, Zusammenhänge zu verstehen und sich einzumischen. Gerade in Zeiten von Polarisierung ist es wichtig, Räume für Austausch, demokratische Werte und Solidarität zu stärken.

Welche Bildungsangebote entwickelt die IG Metall aktuell – und an wen richten sie sich? Welche Angebote oder Zugänge gibt es speziell auch für postmigrantische Communities?

Neben klassischen Seminaren für Betriebsräte, Vertrauensleute und Jugendvertretungen entwickeln wir verstärkt Formate zu Themen wie Antirassismus, Machtverhältnisse im Betrieb, Teilhabe und politische Handlungsfähigkeit.

Dabei geht es uns nicht nur um Wissen, sondern um Empowerment: Kolleg*innen sollen befähigt werden, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Bildungsbiografie. Ein wichtiger Baustein ist unser Arbeitskreis Migration: Er schafft Räume, um gesellschaftspolitische Fragen rund um Teilhabe und postmigrantische Perspektiven zu bearbeiten und bringt gezielt die Erfahrungen der Menschen ein.

Wie verändert sich gewerkschaftliche Bildungsarbeit in einer zunehmend diversen Gesellschaft?

Sie wird vielfältiger und dialogischer. Früher stärker standardisierte Formate weichen heute oft partizipativen Ansätzen. Wir beziehen unterschiedliche Lebensrealitäten bewusster ein und reflektieren Machtverhältnisse und Diskriminierung. Gleichzeitig bleibt unser Ziel klar: Menschen zu befähigen, ihre Rechte wahrzunehmen und gemeinsam für bessere Bedingungen zu kämpfen.

Welche Rolle könnten Kooperationen zwischen Akteur*innen wie der IG Metall und dem Forum der Kulturen spielen? Wären gemeinsame Veranstaltungen denkbar?

Kooperationen sind zentral. Beide Organisationen erreichen unterschiedliche, sich aber überschneidende Zielgruppen. Gemeinsame Veranstaltungen, etwa Diskussionen, Workshops oder Beiträge beim Sommerfestival, können Brücken schlagen und neue Perspektiven eröffnen. Solche Formate sind nicht nur denkbar, sondern wünschenswert.

Was könnte man gemeinsam bestenfalls bewirken?

Im besten Fall stärken wir Zusammenhalt in einer vielfältigen Stadt. Wir machen sichtbar, dass soziale Gerechtigkeit, kulturelle Vielfalt und Demokratie zusammengehören. Und wir ermutigen Menschen, sich einzubringen, im Betrieb wie in der Gesellschaft.