Gauthier Dance Company: LUCK/UNLUCK
Premiere:
Fr, 26. Juni 2026, 20.00 Uhr
Weitere Termine:
27. und 28. Juni 2026
1.–5. Juli 2026
Theaterhaus, S-Mitte
www.theaterhaus.de
Neue Produktion LUCK/UNLUCK von Gauthier Dance
Was ist Glück?
„Ich habe Glück, am Leben zu sein. Nicht, weil das Leben fair ist – ist es nicht, sondern weil es überhaupt passiert ist. Schließlich ist es äußerst unwahrscheinlich, dass es uns gibt! Wir kommen in Körpern an, um die wir nicht gebeten haben, und werden in Systeme geworfen, die bereits existieren“, so beschreibt die Choreografin Aszure Barton ihre Gefühle von Glück.
Klassisch ausgebildet steht Aszure Barton an der Spitze der zeitgenössischen Choreografie. Die Kanadierin ist Gründerin und Leiterin von Aszure Barton & Artists, einem internationalen Tanzprojekt, und ihre Werke werden in Europa, Asien und Afrika sowie in Argentinien, Brasilien, Kanada und den Vereinigten Staaten aufgeführt. Sie war Artist-in-Residence am Baryshnikov Arts Center und hat außerdem für Theater, Film, Oper und Broadway choreografiert.
„Ja, wir sind Menschen. Wir sind egoistisch, absurd, wir warten, wir wollen, wir hoffen….“
Die Choreografin beschreibt ihre Arbeit: „Es ist meine Aufgabe, Menschen in Bewegung zu bringen, ihren Instinkten zu vertrauen, kreativ zu sein. Die Tänzer*innen, wir sind hier unwahrscheinlich präsent, lebendig. Ich feiere, dass wir gemeinsam hier sind. Ja, wir sind Menschen. Wir sind egoistisch, absurd, wir warten, wir wollen, wir hoffen. Das Glück fällt, wo es will, wie Vogeldreck. Brutal, krude, schön, zufällig.“
Im zweiten Teil des Abends prallen denkbar starke Gegensätze aufeinander. Der Choreograf Hofesh Shechter gilt als einer der spannendsten Bühnenkünstler unserer Zeit und ist den Stuttgarter Tanzfans seit vielen Jahren bekannt. Seine dunklen, rohen, rhythmisch pulsierenden Tanzwelten bersten geradezu vor Originalität und politischer Relevanz. Shechters Alleinstellungsmerkmal ist die einzigartige Körperlichkeit seines Stils in Kombination mit den atmosphärischen Soundtracks, die er selbst komponiert. Seit 2008 leitet der ehemalige Tänzer der legendären Batsheva Dance Company die Hofesh Shechter Company mit Sitz in Großbritannien.
Mit der neuen Produktion UNLUCK fordert er das Schicksal heraus, legt es darauf an, den Probenprozess für sein neues Stück in eine Mutprobe zu verwandeln, wie er halb augenzwinkernd, halb ernst gemeint sagt. „Als kreativer Mensch will ich glauben, dass die Wirkung, Qualität und Authentizität meiner Arbeit nicht von einer abergläubischen Einstellung oder vom Glück abhängt.“ Allerdings hat Shechter bislang seinen Alltag offenbar mit allerlei kleinen abergläubischen Ritualen gepflastert hat. Dazu gehören banale Dinge wie morgens das Bett zu machen und bloß nicht die Hose zu wechseln, solange der Schaffensprozess läuft. Aber auch Grundsätzlicheres ist dabei. Zum Beispiel nie im Vorfeld positiv über die entstehende Choreografie zu sprechen. Bei den Proben keine Presse zulassen.
Doch damit ist jetzt Schluss! Shechter macht sich daran, das eigene Unglück heraufzubeschwören. Er bricht sämtliche selbst gesetzten, bewährten eisernen Regeln. Es winkt ein Erkenntnisgewinn, der weit mehr zählt als der Erfolg oder Misserfolg einer einzelnen Premiere: endlich herauszufinden, was passiert, wenn wir unsere eingefleischten Gewohnheiten über Bord werfen. Der frühere Hofesh hätte gefürchtet: „Auf diese Weise wird mein neues Stück garantiert ein künstlerisches Desaster.“ Doch jetzt sagt er: „Mein neues Stück wird ein Triumph.“