Gemeinschaftsschule Weilimdorf – Lernwerkstatt

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S-Weilimdorf

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Tel. 0711 2163 56-30

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Unterrichtssituation in der Lernwerkstatt
Foto: Matthias Matthai, © Vector Informatik
Ausgabe: Mai 2026

Modellprojekt Lernwerkstatt

Geschützter Raum für den Neuanfang

Ein neuer Bildungsort gibt geflüchteten Jugendlichen ohne Schulerfahrung eine Perspektive. Die Lernwerkstatt der GMS Weilimdorf verbindet Unterricht, soziale Stabilisierung und starke Partnerschaften – mit dem Ziel, den Weg ins reguläre Bildungssystem zu ebnen.

In Stuttgart-Weilimdorf ist ein besonderer Ort entstanden: die Lernwerkstatt. Innerhalb von nur neun Monaten wurde aus ehemaligen Büroräumen ein Bildungsraum für junge Menschen, die im deutschen Schulsystem bislang kaum angekommen sind. Rund 60 geflüchtete Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis vierzehn Jahren finden hier einen Zugang zu Bildung – oft zum ersten Mal in ihrem Leben. Die Ausgangslage ist herausfordernd: Viele der Jugendlichen kommen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, der Ukraine oder Rumänien. Krieg, Flucht und instabile Lebensverhältnisse haben dazu geführt, dass sie nie oder nur unregelmäßig eine Schule besuchen konnten.

Entsprechend fehlen grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben oder Rechnen. „Ich kann einen 13-Jährigen nicht in die erste Klasse setzen – das funktioniert nicht“, sagt Cornelia Blankenhorn, pädagogische Leiterin der Lernwerkstatt. „Also müssen wir unsere Schülerinnen und Schüler so weit fördern, dass sie die Voraussetzungen haben, am regulären Unterricht teilzunehmen.“

Ganzheitliches Lernen im Alltag

Genau hier setzt das pädagogische Konzept der Lernwerkstatt an: In kleinen Lerngruppen, begleitet von Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften, erwerben die Jugendlichen grundlegende sprachliche und mathematische Fähigkeiten.

Zugleich wird großer Wert auf soziale Stabilisierung gelegt. Der ganztägige Ansatz von 8 bis 16 Uhr schafft Struktur und Verlässlichkeit – inklusive gemeinsamem Frühstück und Mittagessen. „Die Lernwerkstatt ist ein geschützter Ort“, erklärt Projektleiterin Yvonne Schütz vom Referat Jugend und Bildung der Stadt Stuttgart. „Die Jugendlichen haben nur eine kurze Zeitspanne, um im deutschen Bildungssystem Fuß zu fassen. Hier bekommen sie die Chance dazu.“ Der Unterricht ist dabei bewusst ganzheitlich angelegt: Neben klassischen Fächern gehören auch Alltagskompetenzen, kulturelle Bildung und Demokratieverständnis zum Programm. Ziel ist es, die Jugendlichen nicht nur schulisch, sondern auch persönlich zu stärken.

Starke Partner für echte Chancen

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure. Denn die Lernwerkstatt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Land, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. So zeitigte das große Engagement der Stadt Stuttgart in Sachen Bildungsarbeit für junge Geflüchtete bei der Vector-Stiftung fruchtbare Resonanz: Für fünf Jahre stellt die Stiftung nun ihre über zwei Stockwerke verteilten Räumlichkeiten der Lehrwerkstatt mietfrei zur Verfügung. Auch für den Umbau der Räume kam die Stiftung auf. Ebenso basieren die schulische und sozialpädagogische Umsetzung des Projekts auf Kooperationen: Die Gemeinschaftsschule Weilimdorf fungiert als Ankerschule, das Staatliche Schulamt stellt Lehrkräfte und die Evangelische Gesellschaft Stuttgart (eva) verantwortet die Schulsozialarbeit. „Dieses multiprofessionelle Zusammenarbeiten ist ein großer Gewinn“, sagt Laura Reichert, Bereichsleiterin für Jugendsozialarbeit bei der eva. „Jeder Partner bringt seine Expertise ein – und genau das macht die Qualität des Projekts aus.“

Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche außerschulische Partner: die Initiative Art helps bietet Kunstprojekte an, das Gemeinschaftserlebnis Sport verbindet Bewegung und Sprache. Das öffnet zusätzliche Lernräume und fördert die Integration in den Sozialraum. „Ohne Kooperationspartner würde die Lernwerkstatt nicht funktionieren“, betont Cornelia Blankenhorn. Langfristig verfolgt die Lernwerkstatt ein klares Ziel: den Übergang in das reguläre Schul- oder Ausbildungssystem. „Wir möchten für jeden jungen Menschen eine passende Anschlussmöglichkeit finden“, sagt Laura Reichert. „Der Blick richtet sich auf das Können – nicht auf Defizite.“

Das auf fünf Jahre angelegte Modellprojekt gilt bereits jetzt als Leuchtturm. Es wird wissenschaftlich begleitet und könnte perspektivisch als Vorbild für andere Standorte dienen. Die Unterstützung durch die Vector-Stiftung sowie weiterer Stiftungen schafft dafür eine wichtige Grundlage. Die Lernwerkstatt der Gemeinschaftsschule Weilimdorf zeigt, was möglich ist, wenn unterschiedliche Partner gemeinsam Verantwortung übernehmen – und jungen Menschen eine echte Chance geben.