Migration und Rassismus in Deutschland
Rückblick und Ausblick mit Mark Terkessidis.
Mi, 18. März 2026, 19 Uhr
Haus der Katholischen Kirche, S-Mitte
Veranstalter: Forum der Kulturen Stuttgart e. V., Katholisches Bildungswerk Stuttgart, Stadtjugendring Stuttgart, Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart e. V.
www.hdkk-stuttgart.de
Interview mit Mark Terkessidis
„Es braucht einen Umbau der Institutionen im Hinblick auf die Diversität“
Deutschland ist ein von Einwanderung geprägtes Land. Wie ging Deutschland in den letzten Jahrzehnten und bis heute mit dieser Tatsache um, Herr Terkessidis?
Es ist ja nichts Neues, dass Deutschland sich sehr lange schwer damit getan hat, die Folgen der Migration zu akzeptieren. Insofern ist die Bundesrepublik nicht faktisch, aber rechtlich ein recht junges Einwanderungsland: Es ist erst 25 Jahre her, dass diese Tatsache überhaupt akzeptiert wurde und auch das Staatsangehörigkeitsrecht geändert wurde. Aber wenn man lange etwas auf eine bestimmte Weise gemacht hat, dann fällt es oft schwer, sich an neue Realitäten anzupassen. Das ist auch Teil eines allgemeinen Reformstaus.
Passen die momentan geführten öffentlichen Debatten in Bezug auf Migration (Stichwort „Stadtbild“ und andere) zur tatsächlichen gesellschaftlichen Realität?
Das ist ein Beispiel für den Mangel an Anpassung. Keine Ahnung, wo die Leute leben, die Probleme mit dem „Stadtbild“ haben, aber sicher nicht in den realen Städten. Das Problem ist auch, dass solche Debatten kein einziges Problem anpacken, sondern nur diffuse Unzufriedenheit verstärken. Haben nicht die Beispiele aus den Nachbarländern gezeigt, dass der Populismus gewinnt, wenn man ihm entgegenkommt? Es ist nicht nur eine absurde Debatte, sie bringt auch denen nichts, die sie anzetteln.
Welche Debatten sollten wir bezogen auf Migration jetzt und in Zukunft führen?
Wie gesagt, es gibt einen allgemeinen Reformstau. Wenn ich Veränderung von Bildungsinsitutionen so dilettantisch durchführe wie etwa beim Thema Inklusion, dann muss ich mich ja über Widerstand nicht wundern. Alles dazu ist eigentlich gesagt: Es braucht einen Umbau der Insitutionen im Hinblick auf die Diversität. Dafür braucht es einen Plan, politischen Willen, Geld und Durchhaltevermögen. Alles bis zur Hälfte machen und dann wieder rückgängig – das nutzt niemandem!
Haben Sie eine Zukunftsvision für die von Migration geprägte Gesellschaft in Deutschland?
Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in denen alle Mitglieder – Demokratie vorausgesetzt – mit ihren Hintergründen anerkannt, nach ihren Voraussetzungen gefördert werden und eigene Rahmen für ihr Leben entwickeln können. Das wäre ein aktuelles Verständnis einer Gesellschaft von Gleichen.