Projekt AMOS
Kreativwerkstatt
Di und Do, 13.00–18.00 Uhr
Süddeutsche Gemeinschaft, S-Mitte
Holz- und Tonwerkstatt
Mi und Fr, 9.00–17.00 Uhr und 13.00 bis 17.00 Uhr
Paul-Gerhard-Gemeinde, S-West
Wortwerkstatt
Mo, 18.00–20.00 Uhr
Paul-Gerhard-Gemeinde, S-West
Ausstellungen von Tuhama Mostafa:
15. Januar bis 10. März 2026
Bezirksamt Weilimdorf
17. April bis 28. Mai 2026
Forum 3, Stuttgart-Mitte
Gemeinschaftsinitiative AMOS
„Kunst kennt keine Grenzen“
Dienstagabend in der Olgastraße in Stuttgart. Etwa zwanzig Menschen treffen sich im Gemeindezentrum der Süddeutschen Gemeinschaft. Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ob Alter, Herkunft oder Glaube: Sie verbindet die Gemeinschaft und die Kunst. Hier treffen sich die Künstlerinnen und Künstler von AMOS mit den Mitgliedern der Gemeinde, um gemeinsam zu essen. Heute gibt es Gulasch – mit Speck und vegan.
„Angefangen hat es vor über zwanzig Jahren, erzählt Andrzej Estko, Leiter der Kreativwerkstatt von AMOS. Er setzt der Kreativität keine Grenzen. Er sorgt dafür, dass Zeichnen und Malen mit verschiedenen Techniken sowie das Arbeiten mit Speckstein, Tiffany und Plastiken aus Ton, Mosaik und Seidenmalerei möglich wird. Dabei sollte die Initiative ursprünglich vor allem eines: Menschen verbinden.
„AMOS ist aus der Notwendigkeit heraus entstanden, etwas gegen Einsamkeit zu tun. Anfangs gab es Kaffee und Kuchen, Spiele und Musik aus dem Radio. Dann bekamen wir Spenden zur Einrichtung einer Künstlerwerkstatt – mit Nähmaschinen, Farben, Staffeleien und Werkbänken.“ Andrzej, der anthroposophische Kunst studiert hat, bekam damals den Auftrag, einen Aquarellkurs zu leiten. „Es kamen sehr viele Leute, und plötzlich hatte jeder großes Interesse an Kunst.“ Andrzej lächelt: „Wir haben festgestellt, dass gegen Einsamkeit am besten Kunst hilft.“ Intensiv habe er sich mit Farbenlehre beschäftigt und eine eigene Maltherapie entwickelt. „Die Farben haben auch einen Bezug zur mentalen Gesundheit“, sagt Andrzej.
Die Kunst lässt das Leben fließen
Tuhama Mostafa hat an diesem Tag mit zwei Arbeiten begonnen. Zu Jahresbeginn stehen schließlich gleich zwei Ausstellungen an. Die Künstlerin, die in Damaskus studiert hat, versteht AMOS als Herzensort und zweite Heimat. Sie unterrichtete selbst als Kunstlehrerin, ehe sie der Bürgerkrieg in ein fernes Land, bis nach Stuttgart, führte. „Wir tauschen uns gegenseitig aus und lernen voneinander. Andrzej sorgt dafür, dass immer genügend Materialien da sind und motiviert uns auch mal.“ Sie verweist auf eine Leinwand, auf der ein intensives Indigo in schimmerndem Gold zerfließt. „Das Leben fließt weiter, gleichgültig im Außen“, sagt Tuhama. Im Inneren jedoch entfessle sich ein stiller Aufstand. Es genüge ein winziger Riss, um ganze Welten ins Wanken zu bringen. „Überleben ist kein Zufall, sondern ein ständiger Akt des Widerstands.“
Auch Kunstlehrerin Anna Grishina, die an der Kunstakademie Ludwigsburg studiert hat, erkennt in der Kreativwerkstatt mehr als Malerei. „Ich schätze bei AMOS nicht nur die freundliche Atmosphäre. Die Struktur hilft mir seit zehn Jahren, von allen Sorgen Abstand zu gewinnen.“ Derzeit arbeitet Anna mit Filz: ein Porträt einer Katze, in das sie viel Zeit investiert. Auch in ihren Bildern verbirgt sich Detailstärke. „Was Schönheit und Ewigkeit betrifft, kennt Kunst keine Grenzen.“ In der Holz- und Tonwerkstatt von AMOS ist Anna auch gerne aktiv.
Tuhama plant derzeit eine Ausstellung. Malen? Für sie kein bloßer Akt des Gestaltens, sondern „eine Form des Denkens, jenseits der Sprache. In der Bewegung des Pinsels öffnet sich ein Raum, in dem innere Welten sichtbar werden.“ Die Fantasie eröffne ihre eigenen Gesetze. „Horizonte, die sich dem Wort entziehen.“ Malerei erschließe Möglichkeiten des Seins, die im Verborgenen blieben. „In der Spontanität des Malens lasse ich zu, dass sich das Ungewohnte zeigt.“
Auch Andrzej zeigt der Reporterin ein Werk. Das Team trägt ein surreales Bild herbei. „Die Einsamkeit des Menschen, aus Sicht der Giraffe“, sagt der polnische Maler, der seinen Frieden in der Kunst gefunden hat. „Sie blickt mitleidig auf den Menschen, der unfreiwillig gefangen ist in sich selbst.“
AMOS ist eine Gemeinschaftsinitiative der Kirchengemeinden St. Maria, St. Fidelis und des Caritasverbandes Stuttgart. Die Kreativwerkstatt trifft sich dienstags und donnerstags, mittwochs und freitags findet zudem eine Holz- und Tonwerkstatt statt. Möbel können restauriert oder neu angefertigt, Skulpturen und Keramiken erstellt werden. Anleitungen sind möglich und Ideen willkommen. Montags gibt es eine moderierte Wortwerkstatt für Lyrik – von poetischen Texten und Gedichten bis hin zu Haikus oder Elfchen. Der Eintritt ist jeweils frei. In schwierigen Lebenssituationen gibt es zudem Rat und Unterstützung.