Abdullah Ibrahim

6. April 2026, 19.30 Uhr
im Rahmen der Theaterhaus Jazztage
Theaterhaus, S-Feuerbach
www.theaterhaus.de

 

Abdullah Ibrahim bei den Theaterhaus Jazztagen.
Foto: © Peter Rauch
Ausgabe: April 2026

Abdullah Ibrahim bei den Theaterhaus Jazztagen

Drei Kontinente am Klavier

Abdullah Ibrahim, der als Dollar Brand vor über 75 Jahren seine Karriere als Jazzmusiker begann, ist mittlerweile 91 Jahre alt – ein Leben zwischen Musik, Religion und Politik. Am Ostermontag, 6. April 2026, tritt der südafrikanische Pianist solo bei den Theaterhaus Jazztagen auf.

Gute Neuigkeiten aus Afrika – Good News From Africa, das war ein überraschender Titel für das Album eines Musikers, der im Exil lebte, weil in seiner Heimat Südafrika Apartheid herrschte und es keine erträglichen Produktionsbedingungen für Schwarze Künstler gab.

Abdullah Ibrahim aber ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte, und seine Musik sprach eine klare Sprache: Es waren harmonisch gebaute Stücke im Balladen-, Choral- oder Hymnenton, mit einer erst auf den zweiten Blick raffinierten Spielweise am Klavier interpretiert, die die Musik in pulsierende Grooves einband und mit einer jazzigen Improvisationsweise jenseits der Blues-Tradition erweiterte. Kunstvoll und fintenreich jonglierte dieser Jazz mit Hörerwartungen und vermied dabei strikt Jazzklischees wie Blue Notes und swingende Phrasierung.

Trikontinentale Geschichte des Jazz

Good News From Africa aus dem Jahr 1973 war auch ein politisches Bekenntnis zur eigenen Herkunft aus einer afrikanischen – und eben nicht der afroamerikanischen – Tradition, aber auch die Behauptung einer unauflöslichen Nähe zwischen beiden. Insofern ist Abdullah Ibrahim heute der einzige Musiker, bei dem die komplette trikontinentale Geschichte des Jazz mit am Klavier sitzt. Geboren wurde er als Adolph Johannes Brand am 9. Oktober 1934 in einem der ärmsten Schwarzen-Ghettos in Kapstadt. Mit sieben bekam er seinen ersten Klavierunterricht, seine musikalische Sozialisation war geprägt von der Kirchengemeinde, in der die Großmutter Klavier spielte und die Mutter den Chor leitete. Ein paar Jahre später war es der Jazz, den er für sich entdeckte und den er selbst bald zu spielen begann in den Hotel-Bands der Hafenstadt.

Der Künstlername Dollar Brand blieb an ihm hängen, weil er immer ein paar Dollars in der Tasche hatte, um Amerikaner*innen, die er in Kapstadt traf, Jazzplatten abzukaufen. Da auch für Tanz- und Konzertveranstaltungen strikte sogenannte „Rassentrennung“ galt, zog er 1962, auch um seinen musikalischen Erfahrungsraum zu erweitern, nach Zürich. Dort hörte ihn 1963 Duke Ellington, der ihn in seine Band holte und ihn sogar für eine Tournee zu seinem Stellvertreter machte. Ende der 1960er-Jahre wurde Dollar Brand Teil des politischen Aufbruchs in den USA. Wie viele Schwarze Künstler konvertierte er zum Islam und erhielt den Namen Abdullah Ibrahim.

Bereits 1965 begann in den USA der zweite Teil seiner Karriere als Solist und in kleinen Besetzungen mit überwiegend afrikanischen Musiker*innen. Sein angestammtes Jazzpublikum überraschte er mit einer Abkehr von der aktuellen Jazz-Entwicklung und dem Einschlagen eines eigenen Weges: Melodiös, harmonisch eloquent und mit einem Hauch von Volkstümlichkeit grundierte er nun seine Jazzerfahrung, und manchmal sang er auch. Er hatte sein inneres Afrika gefunden. Anfang der 70er-Jahre unternahm er einen Versuch, sich wieder in Südafrik anzusiedeln, ging aber 1976 entmutigt zurück ins New Yorker Exil und begann, sich für die Ziele des African National Congress zu engagieren. 14 Jahre später aber, nach dem Ende des Apartheid-Regimes, zog es ihn nach Südafrika zurück, das ihn und das er nie losgelassen hatte. Mit seiner aus Italien stammenden zweiten Frau lebt er nun seit 2012 vorwiegend im bayrischen Chiemgau.

Mehr denn je ist Abdullah Ibrahim heute ein internationaler Musiker, mehr denn je auch ein afrikanischer Musiker und ein zugleich religiöser und hochpolitischer Mensch.