Quiet Life
Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Schweden 2024, 100 Minuten
Regie: Alexandros Avranas
Mit: Fernanda Torres, Selton Mello, Fernanda Montenegro Chulpan Khamatova, Grigory Dobrygin, Naomi Lamp u. a.
Start: 24. April 2025
Verleih: von Wild Bunch
Quiet Life erhielt 2024 den Publikumspreis bei den 66. Nordischen Filmtagen und wurde beim Geneva International Film Festival mit dem Future Is Sensible-Award ausgezeichnet.
Die Dornröschenkinder und ihr Trauma
Quiet Life
Gut hat sie sich integriert in ihrem neuen Zuhause in Schweden, die russische Familie in Alexandros Avranas Einwandererdrama Quiet Life. Dann jedoch wird ihr Asylantrag abgelehnt – und die jüngste Tochter fällt in ein rätselhaftes Koma. Dieses wird als „Resignationssyndrom“ diagnostiziert, eine Krankheit, die in Schweden offiziell anerkannt ist. Zuckerbrot und Peitsche: zunächst sind die Behörden voll des Lobes, als sie die Eltern Sergei und Natalia sowie ihre Töchter in deren vier Wänden besuchen. Die Kinder kommen in der Schule, im Chor und beim Sport gut mit, sind sprachlich voll angekommen, sogar über schwedische Vornamen machen sie sich schon Gedanken. Zur endgültigen Bewilligung der Asylanträge aber fehlen dem Migrationsamt noch Beweise, dass Vater Sergei seinem Herkunftsland tatsächlich aufgrund politischer Verfolgung und psychischer Drangsalierung den Rücken gekehrt hat. Seine Narbe am Oberkörper ebenso wie die mündlichen Aussagen reichen nicht, in Verhören werden die Familienmitglieder in die Mangel genommen. Die Jüngste nimmt das Prozedere und die Aussicht, ausgewiesen und abgeschoben zu werden, besonders mit: Sie fällt ich ins Koma.
Dieses Krankheitsbild ist der Ausgangspunkt dieses kühl und distanziert,
ja fast klinisch gehaltenen Migrationsdramas. Als Resignationssyndrom wurde es diagnostiziert und gilt seit 2014 in Schweden tatsächlich als anerkannte, auch als „Dornröschenschlaf“ bezeichnete Krankheit, von der seit Beginn der 2000er-Jahre Hunderte an Flüchtlingskindern betroffen waren.
Das rätselhafte Symptom trat vornehmlich bei Kindern aus dem Kosovo, aus Serbien, Aserbaidschan, Kasachstan und Kirgistan auf.
Im Spielfilm des Griechen Alexandros Avranas verkompliziert sich die Lage für die russische Familie derart, dass ihr zeitweise sogar die Besuchsrechte im Krankenhaus entzogen werden. Geradezu absurd mutet an, wie psychotherapeutisch versucht wird, den in ihrer Situation gefangenen Eltern wieder ein Lächeln beizubringen.
Die kühle Ausstattung des Films passt dabei gut zum Ohnmachtscharakter der Geschichte, die wachsende Verzweiflung äußert sich bei den Darsteller*innen in leisen Gesten und einer Mimik, die gerade durch ihre kontrollierte Zurückhaltung fasziniert – und eben dadurch ihre Wirkung nicht verfehlt.