Max Czollek: Zweifelssohn

Klett-Cotta Verlag, 2026.
208 Seiten.

Ausgabe: Oktober 2026

Max Czollek: Zweifelssohn

Max Czollek ist Autor, Podcaster und Demokratie-Aktivist. Der Nachkomme jüdischer Überlebender des Holocausts analysiert aktuelle politische Strömungen, insbesondere Antisemitismus und die allgegenwärtige Forderung nach Integration. Er ist eine der wichtigsten Stimmen in Deutschland gegen das Eindringen faschistischen Denkens in die bürgerliche Mitte.

In seinem neuen Roman Zweifelssohn setzt er sich mit seinem Verhältnis zur Welt – zu Deutschland – auseinander. Der Protagonist Zweifelssohn ist angelehnt an den jüdischen Aufklärer Mendelssohn – aber mit Zweifeln. Jeremiah, der altbiblische Prophet aus dem 6. Jahrhundert vor Christus ist sein geistiger Begleiter. Der Jeremiah von heute, der den Untergang der vertrauten Welt vorhersieht, reist in Gestalt von Zweifelssohn an Orte der deutschen Geschichte. München als „Stadt der Bewegung“ (des Nationalsozialismus) und Nürnberg mit der Gedenkstätte im gigantischen Reichsparteitagsgelände sind ebenso Reisestationen wie das Tempelhofer Feld, auf dem einst das Columbia-KZ stand.

Auf dem Weg begegnet er Menschen, die seinen Weg und seinen Bewusstseinsstrom als zufällige Stimmen der deutschen Gegenwart kommentieren. Im Austausch mit seiner Vertrauten Be versucht Zweifelssohn seine Eindrücke zu ordnen, gleicht seine Gefühle und Reaktionen ab mit ihren.

Wie ist es möglich als aufklärerischer Geist zu leben während man sieht, wie sich eine verheerende Entwicklung abzeichnet? In der jede*r Dritte bereit ist, einer Partei seine Stimme zu geben, deren Macher*innen offen rechtsextrem Wahlkampf betreiben? Wie stark sind die Stimmen der eigenen Vergangenheit, die Stimmen der lebenden und toten Familienmitglieder? Und wie nehmen Lesende an dieser Reise durch Außen und Innen teil? Wie stellt man sich dem gedanklich, anstatt sich durch allgegenwärtigen Ablenkungsmöglichkeiten zu entziehen? Ein Anfang ist gemacht, wenn man dieses Buch liest und an sich heranlässt.