Liebe Leser*innen,
Das Sommerfestival der Kulturen ist ein Festival, bei dem das weltoffene, vielfältige Stuttgart gefeiert und jeglicher Form von Rassismus, Nationalismus und Ausgrenzung die rote Karte gezeigt wird, ein Festival, das Menschen zusammenbringt, statt zu spalten, über die Grenzen von Ländern und Kulturen hinweg, unabhängig von Herkunft, Alter und sozialer Lage. Es ist ein Festival, in dessen Zentrum all die Stuttgarterinnen und Stuttgarter stehen, von denen manche behaupten, aufgrund ihrer Migrationsbiografie wären sie ein Problem – nicht zuletzt fürs „Stadtbild“. Es sind nicht zuletzt die vielen (post)migrantischen Vereine, die das Festival prägen und es zur „besten Visitenkarte dieser Stadt“ machen.
Dieses Jahr fällt das Festival nun zusammen mit der letzten Woche der Fußballweltmeisterschaft. Während am Sonntag eine Top-Band aus Mexiko zur Latin-Party lädt, entscheidet sich in New York, wer dieses Jahr Fußballweltmeister wird. Und auch diese Weltmeisterschaft wird wieder tolle Spiele und sportliche Höchstleistungen bieten, trotz Kommerz, Korruption und Kriege, trotz Trump und ICE.
Eines machen solche Spiele überdeutlich: Herkunft und Hautfarbe sind bedeutungslos, wenn es allein um die Leisutng geht. Längst sind nahezu alle Nationalmannschaften bunt und divers. Die unterschiedlichen Biografien und Hintergründe der Spieler werden zur Randnote. Und dennoch kommt es gerade in Fußballstadien immer wieder zu kollektiven Ausbrüchen von hasserfülltem Rassismus.Die Zahl derer,die lieber ein „reinweißes“ Nationalteam hätten, scheint in den letzten Jahren eher größer geworden zu sein.
Denn so wie für viele die Fairness, das Sportliche und das Verbindende im Vordergrund steht, sehen nicht Wenige in den Spielen einen „Wettkampf der Nationen“. Hier steht das Nationale, das „My Nation first“, letztlich das Trennende im Fokus.
Es gab Zeiten, in denen während internationaler Wettkämpfe die Waffen ruhten und ein olympischer Friede herrschte. Doch dies ist lange her. Heute nimmt das Weltgeschehen keine Rücksicht auf die Spiele – im Gegenteil, zunehmend werden sportliche Großereignisse instrumentalisiert, nicht zuletzt von den jeweiligen Gastgebern.
„Überleben können wir nur, wenn nationale Interessen hintenangestellt werden.“
Statt nationalistische Gefühle zu bedienen, sollte stets das Verbindende betont werden. Denn letztlich kann unser Planet, können wir alle nur überleben, wenn die Länder dieser Welt gemeinsam an der Lösung all unserer Probleme arbeiten – und nicht gegeneinander. Dort, wo Nationen sich bekämpfen – und sei es auch „nur“ hintenangestellt werden. wirtschaftlich oder ideologisch – hinterlassen sie verbrannte Erde. Überleben können wir nur, wenn nationale Interessen hintenangestellt werden.
Das Sommerfestival steht für eine solche Eine Welt, für ein weltoffenes solidarisches Miteinander aller Menschen dieser Erde. Nicht zuletzt das bunte und hochdiverse Kulturprogramm des Festivals, bei dem sich grenzüber- schreitend Genres ebenso wie Tradition und Moderne mischen, führt uns vor Augen, was geschieht, wenn Vorurteile fallen, Klischees demontiert werden und kulturelle Grenzen sich verschieben oder auflösen: es entsteht etwas Neues, Kreatives, etwas, das Menschen zusammenbringt – und nicht zuletzt auch Spaß macht.
Viel Spaß beim Festival und interessante Begegnungen wünscht
Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.