Gary Disher: Zuflucht
Aus dem Englischen von Peter Torberg.
Unionsverlag,
2026.
Gary Disher: Zuflucht
Fliehen ist ihr ganz normaler Seinszustand – Grace alias Anita alias Neet ist fast immer unterwegs, denn sie ist Diebin von Beruf. Genauso wie Adam aus der gemeinsamen Pflegefamilie in früheren Zeiten. Ihn hatte Grace einst um eine wertvolle Uhr betrogen. Der Verrat brachte sie auseinander. Zufällig sehen sich die beiden Profis von weitem bei einer Philatelie-Messe … Faszinierend und fast beiläufig schildert Australiens berühmter Krimiautor Gary Disher, wie seine Heldin es schafft, dem ehemaligen Freund Adam aus dem Weg zu gehen und zur selben Zeit einem begüterten Sammler seine wertvollste Briefmarke abzunehmen.
Disher verwebt seine Erzählstränge so kunstvoll, dass das Bild sich erst langsam entfaltet. Jedes Kapitel stellt eine Figur in den Mittelpunkt, fast alle sind Kriminelle. Ebenso langsam entwickelt man als Leser*in Sympathien. Dieb*in ist nicht gleich Dieb*in, Betrüger*in nicht gleich Betrüger*in, gute und schlechte Absichten sind nicht sofort erkennbar und ungleich verteilt.
In einer Nebenhandlung deckt ein Polizist einen bandenmäßigen Versicherungsbetrug auf und wird von den Angehörigen dafür in einen Hinterhalt gelockt. Grace möchte ihrer Sehnsucht nach einem Zuhause nachgeben, als sie die geheimnisvolle Antiquitätenhändlerin Erin trifft und für sie arbeitet. Es sieht aus, als würde etwas entstehen – keine Liebe, aber eine freundschaftlich-familiäre Bindung. Die Ereignisse greifen ineinander, der Plot beschleunigt sich. Graces ganze Professionalität ist gefragt, um sich dem Mann zu entziehen, dem sie das Leben gerettet hat: Der Polizist Liddington. Alles kommt immer anders …