Azza
Deutschland/Saudi-Arabien 2025
87 Minuten
Regie und Drehbuch: Stefanie Brockhaus
Mit: Azza Al Shareef
Start: 11. Juni 2026
Verleih: Mindjazz Pictures
Azza
Freiheit heißt auch, Dinge aufzugeben
Es ist nicht der erste Film der in München geborenen, heute in Marseille lebenden Stefanie Brockhaus, in der sie eine Frau aus dem Saudi-Arabien mit der Kamera begleitet. The Poetress nannte sich 2017 ein Dokumentarfilm, in dem sie Hissa Hilal, die einige Jahre zuvor in der Casting-Show Million’s Poet mutig die Stimme gegen religiösen Fanatismus und für die Rechte der Frauen in diesem damals streng muslimischen und erzkonservativen Land erhoben hatte, porträtierte. Immerhin haben sich dort seitdem ein paar Dinge zum Guten für Frauen geändert. Zum Beispiel, dass sie Autofahren dürfen. Seit 2016 ist dies möglich. Azza Al Shareef, die Mitte 30-jährige Protagonistin des aktuellen über drei Jahre hinweg entstandenen Dokumentarfilms, hat dementsprechend die Initiative ergriffen und verdient sich seitdem ihren Lebensunterhalt als Fahrlehrerin.
Azza lernt man als lebenslustige, gerne lachende und sich stark gebende Frau kennen. Doch manchmal kann auch sie die Tränen nicht unterdrücken – etwa dann, wenn sie zurückdenkt an Momente, in denen andere über ihren Lebensweg bestimmten. „Ich bin wütend auf meine Eltern, weil sie mich die Schule nicht beenden ließen“, sagt sie – und hadert insbesondere damit, keine Chance auf einen Hochschulabschluss bekommen zu haben. Als sie mit 16 Jahren zwangsverheiratet wurde, war sie damit nicht einverstanden, fügte sich aber in ihr Schicksal. Um eines Tages dem Ehemann die Scheidungspapiere gegen sein von ihr „entführtes“ Auto abzutrotzen.
Azza fährt einen SUV, ist wiederholt stolz darauf, wenn sie ihn ohne fremde (männliche) Hilfe aus dem Wüstensand herausmanövrieren kann. Deutlich wird dabei auch, dass Freiheit auch bedeutet, auf so manches andere zu verzichten. Der von einer Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne und am Rande des Wandels erzählende Film profitiert dabei von einer freundschaftlichen Nähe zwischen der Filmemacherin und Azza.