Jugendzentrum HaLev

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Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW)

Jewrovision

Jewrovision:
Der größte jüdische Tanz- und Gesangswettbewerb Europas fand 2002 erstmals im Rahmen einer Jugendfreizeit statt. Seit 2013 richtet der Zentralrat der Juden in Deutschland die Veranstaltung aus. Angelehnt an den ESC treten bei der Jewrovision Teams aus jüdischen Jugendzentren in ganz Deutschland auf. Die Jury ist regelmäßig prominent besetzt. Special Act war in diesem Jahr die jüdischen Sängerin Noa Kirel.
Boris Karasik, 27, hat in Heidelberg Geschichte und Politik studiert. Er hat als Kind und Jugendlicher das jüdische Jugendzentrum in Karlsruhe besucht und wechselte danach in die Jugendarbeit. Das Jugendzentrum HaLev leitet er als Rosch („Kopf“) gemeinsam mit Igal Shamailov. Neben wöchentlichen Treffen stehen größere Events wie die Jewrovision und das JQ (Jewish Quiz) sowie gemeinsame Fahrten im HaLev auf dem Programm.

Jugendzentrum HaLev gewinnt die Jewrovision 2024. Rechts stehend: Boris Karasik, rechts kniend: Igal Shamailov.
Foto: Jewrovision
Ausgabe: Juni 2026

Das jüdische Jugendzentrum HaLev und die Jewrovision 2026

„Hey, ich bin jüdisch und ich bin es gerne“

Im Mai 2026 fand die Jewrovision zum ersten Mal in Stuttgart statt. Gastgeber war das jüdische Jugendzentrum HaLev. Boris Karasik, „Rosch“ bei HaLev, hat vor dem Event darüber gesprochen, was das für die Jugendlichen bedeutet und was seine Arbeit trägt.

Ein Interview von Angelika Brunke.

Herr Karasik, es gibt einige Jugendzentren in Stuttgart. Was macht das Jugendzentrum HaLev aus?

Das Jugendzentrum HaLev versteht sich als Ankerpunkt und Safer Space. Jüdische Jugendliche haben hier die Möglichkeit, einfach mal sie selbst zu sein. Im Wesentlichen geht es um das Schaffen einer positiven jüdischen Identität. Im HaLev muss sich niemand unwohl fühlen oder Angst haben, sondern kann sagen: Hey, ich bin jüdisch und ich bin es gerne.

2024 hat die Stuttgarter Gruppe die Jewrovision in Hannover gewonnen. Teil des Gewinns war, dass der Contest zwei Jahre später in Stuttgart stattfindet. Erinnern Sie sich noch, wie das war, als die Gruppe gewonnen hat?

Das war unfassbar gut. Es war das erste Mal, dass Stuttgart gewonnen hat. Alle lagen sich in den Armen und haben geheult – selbst Kinder, die sich sonst nicht so ganz grün sind. Und genau das ist unser Ziel: dieses identitätsstiftende Zusammensein. Die Kinder reden bis heute drüber. Das steigert natürlich auch die Verbundenheit im Jugendzentrum und damit auch zur Gemeinde.

Das HaLev-Team hat sicher hart für diesen Erfolg gearbeitet …

Ich glaube, das gilt für jedes Jungzentrum, das bei der Jewrovision dabei ist. Es ist eine superschöne Sache, macht unfassbar viel Spaß, ist aber auch mit sehr viel kreativer Arbeit, sehr viel Planung und Orga verbunden. Auch die Kinder und Jugendlichen nehmen sich viel Zeit.

Was lernen die Jugendlichen bei solchen Projekten – über die Freude an Musik, Tanz und Auftritt hinaus?

Viele erfahren, dass Jüdischsein nicht gleichbedeutend ist mit „Angst haben“. Sondern es bedeutet: Gemeinschaft, Spaß, die Freude, Mensch zu sein. Es ist nichts Falsches daran. Bei der Jewrovision sind sie in einem Umfeld, wo das aktiv gefeiert und positiv wahrgenommen wird. Man muss sich nicht die tausendste Debatte oder den zweitausendsten dummen Kommentar anhören.

Wie würden Sie Ihre Rolle als Rosch beschreiben? Begleiter, Motivator, Vertrauensperson, Organisator oder eine Mixtur aus allem?

So komisch es vielleicht klingt: Ich bin gerne das Mädchen für alles. Ich mache Organisation und Buchhaltung, hole Angebote für Busfahrten ein, beantworte Presseanfragen. Und dann bin ich natürlich in ganz unterschiedlichen Situationen für die Jugendlichen da. Ich glaube ein guter Rosch ist jemand, der selbst im Hintergrund bleibt, dabei aber die Voraussetzung schafft, dass andere sich entwickeln können.

HaLev hat – gemeinsam mit Burkhard C. Kosminski, dem Intendanten des Schauspiels Stuttgart – die Otto-Hirsch-Auszeichnung verliehen bekommen. Damit wird ein besonderes Engagement in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit gewürdigt.

Ja. Wir haben den Preis auch dafür erhalten, dass wir die Jewrovision nach Stuttgart gebracht haben. Dadurch wird junges, jüdisches Leben hier in Stuttgart sichtbarer. Durch dieses Sichtbarmachen entsteht ein Dialog.

Jüdische Veranstaltungen finden unter sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Wie geht es Ihnen damit?

Es ist traurig, das so sagen zu müssen: Aber das kennen jüdische Jugendliche von klein auf – egal in welcher der Gemeinde sie sind. Es ist unfassbar schade, dass man das immer mehr verstärken muss. Aber wenn man diesen Gedanken nachgibt, hat man aufgegeben. Und das wollen wir nicht. Wir sind hier und wir bleiben auch hier. 
Wir gehören zu Deutschland – auch wenn sich die Situation für uns in den letzten drei Jahren sehr zugespitzt hat.

Abgesehen von guter Show und Atmosphäre – was kann die Jewrovision nach außen tragen?

Dass jüdisches Leben und Kultur kein Selbstzweck sind. Sie sind – wie jede andere Kultur – ein Gewinn für alle. Dadurch, dass wir das offen präsentieren, zeigen wir: Wir sind Menschen wie alle anderen auch. Ob das jetzt eine Chanukka-Feier ist oder die Jewrovision: Wenn wir uns gegenseitig als Menschen mit all ihren Verschiedenheiten begegnen, dann stärkt das auch unser demokratisches Verständnis.