SMIC – Stuttgart Moving Image Center
Haus für Film und Medien e. V.
www.hfm-stuttgart.de
Der Verein Haus für Film und Medien Stuttgart e. V. wurde 2011 gegründet, um die Entwicklung eines Hauses für Film und Medien in Stuttgart voranzutreiben. Er begleitete das Projekt bis zur politischen Beschlussreifen und unterstützt die Projektentwicklung weiterhin im Sinne der Realisierung eines offenen Hauses. Heute vereint der Verein 26 Institutionen aus Film, Medien, Kultur, Bildung und Kreativwirtschaft in Stuttgart und der Region. Seit 2025 liegen die operativen Aufgaben beim SMIC-Planungsstab der Stadt Stuttgart.
Interview mit dem Haus für Film und Medien e. V.
"Inklusion und Diversitätssensibilität sind für uns zentrale Anliegen"
Vielen Dank, dass ihr euch als Vereinsvorsitzende vom Haus für Film und Medien e. V. die Zeit genommen habt, mit dem Forum der Kulturen Stuttgart als einem ihrer Mitgliedsvereine über das geplante Stuttgart Moving Image Center (kurz: SMIC) zu sprechen. Die Fertigstellung und Eröffnung ist 2029 geplant.
Könnt ihr uns zunächst einen Überblick über das Ziel und die Vision des Projekts geben?
Jens: Sehr gerne, der Dank ist ganz unsererseits. Das SMIC soll ein offenes, nicht-gewerbliches Zentrum für (digitale) Bewegtbilder werden, das als Produktions‐, Präsentations‐ und Lernort dient. Unser Ziel ist es, dass sich die Angebote an die gesamte Stadtgesellschaft richten. Im Vordergrund steht, die Medienkompetenz der Menschen und damit die gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Der partizipative Charakter des Projekts ist essenziell: Wir möchten niedrigschwellige Zugänge bieten und einen Raum des Vertrauens schaffen. Geplant sind Kinosäle, Studios, Labs und Ausstellungsflächen für und mit Themen wie Animation, Film, Games, Virtual Reality/Augmented Reality,KI etc. Alles in enger Kooperation mit den Mitgliedern unseres Vereins sowie weiteren Institutionen Stuttgarts.
Céline: Ganz konkret wünschen wir uns ein Haus, das ein offenes und partizipatives Programmangebot schafft. Dieses soll nicht nur vom Haus selbst gestaltet werden, sondern gemeinsam mit den vielen Stuttgarter Medien-, Bildungs- und Kulturträgern sowie durch Ideen und Vorschläge aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen entstehen. So können unterschiedliche Lebensrealitäten, Kulturen, Geschichten, Erfahrungen, Ästhetiken und Sprachen sichtbar werden und Raum für Austausch und gesellschaftliche Diskussion schaffen.
Stuttgart ist eine von Diversität geprägte Stadt und die verschiedenste Lebensrealitäten treffen aufeinander. Eingangs erwähnt ihr, dass sich das SMIC an die gesamte Stadtgesellschaft richten soll. Das klingt nach einer sehr großen Aufgabe und vor allem Verantwortung. Welche Rolle spielen Inklusion und demnach Diversitätssensibilität?
Céline: Als Gründungsverein haben wir bereits früh ein Positionspapier erarbeitet, das intensiv mit unterschiedlichen Akteur*innen – unter anderem auch mit dem Forum der Kulturen Stuttgart – diskutiert wurde. Darin haben wir festgehalten, dass Offenheit, Partizipation und Vielfalt zentrale Grundprinzipien des Hauses sein sollten. Gerade weil sich das SMIC an die gesamte Stadtgesellschaft richten soll, waren und sind Inklusion und Diversitätssensibilität für uns zentrale Anliegen.
Jens: Unser Wunsch war und ist es, möglichst viele Menschen nicht nur als Publikum anzusprechen, sondern ihnen echte Zugänge und Beteiligungsmöglichkeiten zu eröffnen. Das betrifft sowohl die Inhalte und Perspektiven, die sichtbar werden, als auch die Frage, wer Programme mitgestalten kann und sich im Haus willkommen fühlt.
Ganz konkret geht es uns darum, Ängste abzubauen: Die Barriere, die uns davon abhält, Neues zu entdecken und auszuprobieren, uns wohl und willkommen in einem Raum zu fühlen. Daher ist für uns ein niedrigschwelliger Zugang so bedeutsam. Es werden unter anderem verschiedene technische Lösungen implementiert, um Inklusion zu fördern. Ein Beispiel: Innerhalb des Nutzerausschusses wurden gehörlose Menschen eingeladen, deren Anregungen das Projekt sehr bereichern, denn genau durch diese Impulse werden technische Lösungen Teil des Hauses sein. Wir möchten allen mitteilen: ‚Du musst keine technischen oder besondere Fähigkeiten mitbringen, um Teil des SMIC sein zu können!‘. Wir wollen Zugänge für alle Altersgruppen schaffen: Sei es für Kinder, die zum ersten Mal Animationstechniken ausprobieren möchten, oder für ältere Menschen, die in die digitale Welt eintauchen wollen. Die Spanne, in der wir uns bewegen, ist groß, die Möglichkeiten sind vielfältig – und genau das macht unser Projekt so spannend und inklusiv.
Wissen ist nicht neutral und eng mit Macht verbunden. Ebenso ist Wissen auch durch kulturelle Prägungen geformt. Daher stellt sich für uns als Forum der Kulturen Stuttgart die Frage: Aus welchem Wissen heraus werden die Räume gestaltet, angeboten und weitervermittelt?
Jens: Gemeinsam mit dem Planungsstab hat der Verein eine sogenannte Resonanzgruppe eingerichtet, um zu zentrale Projektschritte, zum Beispiel der Programmkonzeption, Feedback aus ganz unterschiedlichen Perspektiven einzuholen. Dieser Austausch ist essenziell, um sicherzustellen, dass die Angebote tatsächlich die Bedürfnisse der Menschen treffen. Es werden unter anderem auch konsumfreie Aufenthaltsflächen geplant. Ich möchte dabei betonen: Niemand muss ein Filmfan sein, um das Haus zu nutzen. Jede*r kann das SMIC besuchen und Teil davon werden. Dieser Gedanke begleitet uns von Anfang an.
Céline: Genau deshalb ist es aus unserer Sicht so wichtig, dass Inhalte und Formate nicht allein aus einer institutionellen oder vermeintlich „wissenden“ Perspektive heraus entwickelt werden. Es geht nicht darum, für Menschen Angebote zu entwerfen, von denen man annimmt, dass sie relevant sein könnten, sondern gemeinsam mit ihnen herauszufinden, welche Themen, Formate und Räume tatsächlich gebraucht werden.
Natürlich stellt sich auch die Frage der Finanzierung bei solch einem Projekt: Wie finanziert sich das künftige SMIC? Und wie kann sichergestellt werden, dass Teilhabe auch für die, die nicht das nötige „Kleingeld“ besitzen, möglich ist und bleibt?
Jens: Die langfristige Finanzierung eines solchen Hauses wird natürlich eine zentrale Aufgabe sein. Aus unserer Sicht war aber immer klar, dass ein öffentliches Haus für Bewegtbildkultur auch als kulturelle und gesellschaftliche Infrastruktur verstanden werden muss – ähnlich wie Bibliotheken, Volkshochschulen oder Museen. Teilhabe darf dabei nicht von finanziellen Möglichkeiten abhängig sein.
Es wird ein Ansatz mit zum Teil relativ schlanker und einfach erweiterbarer Technik geplant. Für die Bürger*innen wird es Möglichkeiten geben, diese Technik kennen zu lernen, auszuprobieren und zu nutzen.
Céline: Darüber hinaus scheint es uns wichtig, dass das SMIC möglichst viele niedrigschwellige und bezahlbare Angebote schafft – etwa durch offene Räume, konsumfreie Aufenthaltsbereiche sowie kostenfreie oder kostengünstige Workshops und Veranstaltungsformate. Gerade im Bereich Medien und Digitalisierung ist der Zugang zu Technik und Wissen oft eine soziale Frage. Umso wichtiger ist es, Orte zu schaffen, an denen Menschen unabhängig von ihrer finanziellen Situation lernen, ausprobieren und sich einbringen können.
Blick in die Zukunft: Wie kann das SMIC in dieser sich rasant (weiter-)entwickelnden und global vernetzten Welt zukunftsfähig bleiben und auf Megatrends, politische Entwicklungen und Co. reagieren? Auf welchem Wertefundament wird das Haus der Medien stehen?
Jens: Unser Verein mit seiner vielfältigen Mitgliederstruktur kann als Impulsgeber fungieren, indem wir uns nicht nur auf kurzfristige Entwicklungen konzentrieren, sondern auch darauf, wie wir in 20 Jahren Medien produzieren und rezipieren möchten. Durch die Zusammenarbeit mit dem Forum der Kulturen Stuttgart und anderen Institutionen möchten wir die Menschen abholen und vor allem im Austausch bleiben. Die Impulse, die von Seiten verschiedenster Akteure an uns herangetragen wurden, sind immens wertvoll. Auch in der nahen Zukunft sind Veranstaltungen geplant, die alle Interessierten zusammenbringen sollen.
Céline: Die eigentliche Innovation des SMIC liegt für uns daher nicht allein in Architektur, Technik oder Programm, sondern in der Chance, ein neues Organisationsmodell kultureller Zusammenarbeit zu entwickeln. Wenn Beteiligung, Kooperation und gesellschaftliche Mitwirkung strukturell verankert werden, kann daraus ein zukunftsfähiges Modell entstehen, das Kulturinstitutionen, Netzwerke und Stadtgesellschaft dauerhaft miteinander verbindet – und als Referenzmodel über Stuttgart hinausstrahlt.