Ausgabe: Mai 2026

Kürzung der Integrationskurse

Stuttgart warnt vor den Folgen der Integrationslücke

Die Stadt Stuttgart kritisierte bereits im Februar 2026 das durch die Bundesregierung entschiedene Ende freiwilliger Integrationskurse. Mit ihrer Kritik ist die Stadt nicht allein, auch der Deutsche Städtetag und die Paritätische bezogen klare Stellung.

Künftig erhalten nur noch verpflichtete Personen Zugang zu Integrationskursen. Die Stadt warnt vor Folgen für Arbeitsmarkt, Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch die Landeshauptstadt Stuttgart sieht in der Entscheidung des Bundes, die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen zu beenden, erhebliche Risiken für die Integration,den Arbeitsmarkt und die soziale Stabilität in der Stadt. Geht es nach dem Bund, erhalten nur noch Personen Zugang zu staatlich geförderten Integrationskursen, die von einer zuständigen Behörde zur Teilnahme verpflichtet werden.

„In Stuttgart setzen wir bewusst auf frühe Sprachförderung. Sprache ist der Schlüssel zu Integration, Ausbildung und Arbeit. Die Neuregelung führt dazu, dass zahlreiche integrationswillige Menschen zunächst keinen Zugang mehr zu einem Kursplatz haben – obwohl sie in Stuttgart leben und sich hier eine Perspektive aufbauen wollen“, erklärte Sozialbürgermeisterin Dr. Alexandra Sußmann.

Von der Einschränkung betroffen sind insbesondere Schutzsuchende im laufenden Verfahren, Geduldete, Geflüchtete aus der Ukraine sowie weitere Personen ohne verpflichtenden Anspruch auf einen Kursplatz. Bisher konnten sie – sofern Kapazitäten vorhanden waren – an Integrationskursen teilnehmen. Diese Möglichkeit entfällt künftig. „Allerdings sind es vor allem diese Menschen, die mit Hilfe von Sprachkursen nach kurzer Zeit Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Ohne begleitende Sprachförderung wird der Einstieg in qualifizierte Beschäftigung deutlich erschwert. Vorhandene berufliche Kompetenzen können nicht ausgeschöpft werden, was angesichts des anhaltenden Fachkräftebedarfs in Stuttgart auch wirtschaftlich problematisch ist,“ sagt Sußmann und unterstreicht: „Wir wollen, dass Menschen hier gute und stabile berufliche Perspektiven entwickeln. Das stärkt unsere Wirtschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Jeder Geflüchtete und Asylbewerber, der in Arbeit kommt, entlastet die Städte von Sozialausgaben. Ohne Integrationskurse wird eine Arbeitsaufnahme aber fast unmöglich, heißt es von Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, gegenüber der Funke Mediengruppe. Auch das Bündnis Gesamtprogramm Sprache retten vom Gesamtverband Der Paritätische fordert die sofortige Aufhebung des Zulassungsstopps zu den Integrationskursen und hat ein Forderungspapier erarbeitet, das von einem breiten Bündnis an Verbänden – unter ihnen der Verband der vhs, der AWO und der Diakonie – getragen wird.

Die Entscheidung des Bundes hat zudem unmittelbare Auswirkungen auf die örtlichen Integrationskursträger. Wegfallende Kurse führen zu finanziellen Unsicherheiten und organisatorischen Herausforderungen. Die Stadt Stuttgart fordert daher verlässliche und abgestimmte Rahmenbedingungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Nur so könne eine planbare und bedarfsgerechte Sprachförderung langfristig gesichert werden.