Humans of Stuttgart
Humans of Stuttgart ist ein Projekt von Literally Peace e. V.
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Humans of Stuttgart
Ich bin vor fast 11 Jahren nach Deutschland gezogen, um Wissenschaftler und Ingenieur zu werden. In dieser Zeit habe ich mehr als nur Luft- und Raumfahrttechnik gelernt und erlebt: eine Pandemie, Krankheiten, Kriege und mich selbst.
Die Promotion dauerte länger als erwartet. Der erste Grund war die Pandemie. In Mexiko hat jeder einen Nahestehenden verloren, ich meinen Onkel. Meine Mutter nahm deshalb Medikamente. Ich wurde daran erinnert, dass es wichtigere Dinge gibt als das Studium. Es war eine sehr schwierige Zeit, weil ich Angst hatte, noch mehr Menschen zu verlieren.
Als ich meine Promotion fast abgeschlossen hatte, erkrankte mein Vater an Krebs. Der Tumor hatte schon weit gestreut, aber nach einer Operation war alles in Ordnung.
Als das überstanden war, begann der Krieg in der Ukraine. Die Nachrichten über einen möglichen Atomkrieg verunsicherten mich enorm. Ich war mir nicht sicher, wie es mit meinem Visum weitergehen würde. Die Ausländerbehörde in Stuttgart war völlig überlastet, was immer noch der Fall ist.
In all dem Chaos kamen lange verdrängte Schuldgefühle hoch, die mich dazu brachten, meine Promotion endgültig abzubrechen und eine Therapie zu beginnen. Mit professioneller Hilfe und der Unterstützung meiner Schwester gelang es mir, unser Familientrauma zu überwinden.
So habe ich die Kraft gefunden, meine Doktorarbeit fertigzustellen. In drei Wochen werde ich sie verteidigen. Bei der Abschlussfeier gibt es mexikanisches Essen und deutsches Bier. Meine Familie wird auch da sein.