Rabih Alameddine: Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence.
H. Beck Verlag, 2026.
351 Seiten.

Ausgabe: Mai 2026

Rabih Alameddine: Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)

Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) ist eine Zeitreise durch sechs Jahrzehnte libanesischer Geschichte – und zugleich ein persönlicher Einblick in die Coming-of-Age-Story von Radscha, der von Japan träumt und schwul ist. Als Kind noch für seine „Mädchenhaftigkeit“ geliebt, lässt der Augenblick, in dem das Entzücken der Erwachsenen in Verachtung umschlägt, nicht lang auf sich warten. Auch die bedingungslose Liebe seiner Mutter und deren Don’t Fuck With Me-Attitüde können ihren Sohn nicht vor allem schützen. Es folgen Krieg und der Bankenkollaps.

Autor Rabih Alameddine vereint in seinem Erzählen scharfen Witz mit tiefer Trauer, direkte Sprache mit poetischer Zärtlichkeit. Das Leben in Beirut oszilliert zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen dem betörenden Aroma von Gardenien, Jasmin und frischem Brot und dem beißenden Gestank von Stromausfällen, Korruption und Gewalt. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Positionalität und Überzeugung, klingt wie ein Grundton durch das Buch. Wie bleibt man menschlich in einer Welt, die ständig zwischen Krieg und Krisen taumelt? Wie findet man Sinn, wenn das Land, das man liebt, einen immer wieder verrät?

Im Erwachsenenalter bleiben Radscha und seine Mutter unzertrennlich. Er nimmt sie und ein altes Familienerbstück, das nur schwer in die kleine Wohnung passt, bei sich auf. Doch die Katastrophen reißen nicht ab: Erneut Krieg, die Covid-Pandemie und die Hafenexplosion erschüttern ihr Leben. Am Ende bleibt nicht die Frage, warum Libanon seine Menschen immer wieder fallen lässt, sondern wie es Radscha und seiner Mutter gelingt, inmitten des Chaos immer wieder Momente der Zärtlichkeit, des Humors und der unerschütterlichen Verbundenheit zu schaffen – und damit das Leben selbst zur Antwort wird.