Dança por correio

Sa, 16. Mai 2026, 14 Uhr
Innenstadt, S-Mitte
So, 17. Mai 2026, 17 Uhr
S-Bad Cannstatt
www.jes.stuttgart.de

 

*Breakdance
Breakdance oder B-Boying/B-Girling leitet sich von einem bestimmten Abschnitt einer Schallplatte (dem „Break“) ab, den DJs früher für die Tänzerinnen und Tänzer in einer Schleife abspielten. Die Breaking-Moves bestehen unter anderem aus den Elementen Top Rock (Tanz im Stehen), Down Rock (auf dem Boden), Freezes (akrobatische Posen) und Powermoves (Drehungen und Tricks).

 

Dança por correio
Foto: © Gil Douglas
Ausgabe: Mai 2026

Von São Paulo nach Stuttgart: Zumb.Boys beim Festival „Schöne Aussicht“

Die Straße wird zur Bühne

In der Metropolregion São Paulo mit etwa 21,5 Millionen Menschen ist in den 1980er-Jahren ein Tanz groß geworden. Der Breakdance. In Stationen und Straßen trainierten Gruppen und hielten Battles ab. Vor über zwanzig Jahren bildete sich hier ein Tanzkollektiv um Márcio Greyk, David Xavinho, Eddie Guedes, Igor Souza, Eriki Hideki und Vinicios Silva. Jetzt sind die Zumb.Boys beim Festival Schöne Aussicht in Stuttgart zu Gast.

Wenn die Zumb.Boys auftreten, wird die Straße zur Bühne. Zum ersten Mal gastiert das Tanzkollektiv außerhalb Brasiliens. Tanzpädagogin Angélica Duarte Topfstedt, die selbst aus São Paulo stammt, bringt das Kollektiv im Rahmen des internationalen Theaterfestivals für junges Publikum, Schöne Aussicht, ins Schwabenland. Als eine der Kurator*innen hat die Pädagogin mehrere Stücke ausgewählt. „Das Leben in Brasilien findet auf der Straße statt“. Topfstedt, die selbst Tänzerin ist, lächelt. „Die Menschen in São Paulo tragen die Stadt in sich.“ Sie selbst ist mit den Zumb.Boys groß geworden. Jahre, bevor sie 2017 nach Stuttgart zog. Auch in den 2000er-Jahren gehörte der Breakdance* zum Puls der Stadt. In Brasilien sind die Zumb.Boys längst Stars.

„Alles entsteht spontan und unvorhergesehen“

In Dança por correio (übersetzt: Tanz per Post) sind Zuschauende wie Passant*innen Teil der Choreographie. Als Briefträger mit schweren Posttaschen verteilen die Tänzer Briefe. Topfstedt zeigt ein Video. Was steht in den Briefen? „Bewegungsanleitungen, kleine Aufgaben und poetische Impulse.“ Zuschauende lächeln, ein Mann öffnet einen Brief und wirkt verlegen. Ein Kind läuft in die Mitte und tanzt begeistert mit. „Alles entsteht spontan und unvorhergesehen. Wir Brasilianer liebe das Spontane.“ Wie werden die Stuttgarter*innen reagieren? „Kinder lassen sich leicht begeistern“, sagt die Tanzpädagogin. „Aber auch bei den Erwachsenen finden sich bestimmt Teilnehmer.“

Das Junge Ensemble Stuttgart (JES), in dem das Gespräch stattfindet, wirkt geräumig und auch ein wenig spontan. In der großen Eingangshalle thront eine Sofalandschaft auf einem gemusterten Teppich. Eine offene Bühne lädt junge Menschen dazu ein, selbst neue Schritte zu wagen.

Dança por correio soll in der Stuttgarter Innenstadt stattfinden. Die Termine stehen fest, die Route wird noch mit der Stadt abgestimmt. Die Aufführungen sind kostenlos. Das Stück lädt alle unabhängig vom Alter ein, den Alltag zu vergessen und die eigene Stadt neu zu erleben. Interessierte können sich per Mail anmelden und erhalten dann die Route.

Für das diesjährige Theaterfestival haben sich die Kurator*innen gefragt, wie sich geteilte Räume oder Räume geteilter Erfahrung schaffen lassen. „Es wird Dolmetschende in Gebärdensprache geben“, sagt Angélica Topfstedt. Wichtig sei es, alle teilhaben zu lassen. So entstehen gemeinsame Erlebnisse in Theaterräumen, einem großen Zelt, einer Turnhalle, mit Kreide auf dem Boden oder wie bei Dança por correio auf der Straße. „In Inszenierungen unter anderem aus Kuba, Taiwan und Burkina Faso geht es um Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Teilhabe.“