33. CineLatino und 23. CineEspañol
22.–29. April 2026
Stuttgart, Tübingen und Reutlingen
www.filmtage-tuebingen.de
Menschenrechte und Filme aus Uruguay beim 33. CineLatino
Das Land zwischen den Giganten
Mit rund zwanzig Filmen aus Lateinamerika und Spanien lädt das diesjährige Cinelatino wieder zu interkulturellen Begegnungen in entspannter Atmosphäre ein. Der Länderschwerpunkt liegt diesmal auf dem schönen Uruguay, das angrenzt an die Giganten Argentinien und Brasilien und an das auf 660 Kilometern der Atlantik schwappt. Uruguay ist eines der progressivsten und sichersten Länder Südamerikas, bekannt für stabile Demokratie, hohe Lebensqualität und eine lebendige Kultur. „Uruguay hatte in den letzten Jahren eine kleine Filmproduktion mit etwa 25 bis 30 Filmen pro Jahr, und im Unterschied zu Brasilien und Argentinien, wo rechte und neoliberale Regierungen gegen eine Förderung von Kultur und Filmproduktion sind, ist sie hier konstant und kontinuierlich“, sagt CineLatino-Leiter Paolo de Carvalho. Trotz seiner kleinen Größe beeindruckt das 3,4 Millionen Einwohner zählende Land mit starken sozialen Reformen, wird dennoch aber oft übersehen.
Insgesamt sechs uruguayische Produktionen finden sich im Programm. „Wir wollen zeigen, dass das Land mehr zu bieten hat, als es der erste Eindruck vielleicht vermuten lässt, etwa, wenn man an die Pampa und Gauchos mit Rindern und Pferden denkt“, so de Carvalho weiter. Siempre Vuelven von Sergio de León illustriert, dass auch kleine, unscheinbare Tiere wie Tauben von großer Bedeutung sein können. Auf Un cabo suelto von Daniel Hendler, primär ein bekannter uruguayischer Schauspieler, wurde der Festivalleiter letztes Jahr in Venedig aufmerksam. Die Komödie handelt von einem argentinischen Cop, der sich in Uruguay ein neues Leben aufbauen möchte, vom alten aber verfolgt wird. Nachdenklich geraten ist Agarrame Fuerte von Ana Guevara und Leticia Jorge, in dem es um den Abschied von und Erinnerungen an eine jung verstorbene Freundin, die gerne Maigret-Romane las und Bowie hörte, geht.
Steilvorlagen für Diskussionen liefern eine Reihe von Filmen, die das CineLatino zum Themenschwerpunkt Menschenrechte in Lateinamerika ausgewählt hat. „In vielen Ländern und Regionen hat sich die Situation durch politische Konflikte, wirtschaftliche Instabilität und Diskriminierung marginalisierter Gruppen erheblich verschärft“, weiß Paulo de Carvalho. Besonders sichtbar seien Repressionen in Ländern wie Venezuela sowie anhaltende Ungleichheiten gegenüber indigenen, queeren, afro-, lateinamerikanischen und migrantischen Communities. Gleichzeitig wachse die internationale Aufmerksamkeit – etwa durch Debatten über die Behandlung von Latinos in den USA oder kulturelle Stimmen wie des puerto-ricanischen Rappers Bad Bunny, die globale Bühnen für Sichtbarkeit und Menschenwürde nutzen. „Es wird interessant sein, wie die Regisseure darüber sprechen“, freut sich de Carvalho auf die Publikumsgespräch nach den Filmen, bzw. im Rahmen des CineSalón in Tübingen.
Die Brüder Luis und Andrés Rodriguez haben mit Memoria de una herida einen Kurzfilm im Gepäck, der die aktuelle Stimmung in Venezuela festhält. Adiós Cuba von Rolando Díaz geht’s um Exil-Kubaner und Dissidenten. In der CineEspañol-Sektion freut man sich, den neuen Film Romería – Das Tagebuch meiner Mutter von Carla Simón zu zeigen. „Ihr erster Film hatte bei uns vor vielen Jahren den Publikumspreis gewonnen“, so Paulo de Carvalho.