Aurel Mertz: Nobody Alpha Drift
Di, 17. März 2026, 20.00 Uhr
Theaterhaus, S-Feuerbach
www.theaterhaus.de
Aurel Mertz: Alpha Boys
Knaur Verlag, 2026.
256 Seiten.
Aurel Mertz erkundet die Manasphere
Lieber Katzenpapa als Alpha-Mann
Was in seinem Fall bedeutet, dass er nach dem Schulabschluss das Weite suchte, in Wien und Istanbul Kommunikationswissenschaften studierte und heute in Berlin lebt. Der 36-jährige hat das, was man eine „solide Ausbildung“ nennt: Unter anderem besuchte er die Moderationsschule bei Frank Elstner. Dieser legendäre Old-Schooler des Showbusiness setzte sich für ihn ein, während andere in der Branche ihn durchaus mal rassistisch beleidigten.
Aurels Großvater stammt aus Ghana, dessen Sohn und Aurels Mutter lernten sich an der Stuttgarter Kunstakademie kennen und lieben. Seine Großmutter buk ihm Pfannkuchen, weil er sich weigerte Fleisch zu essen, er durfte sein wie er war – die Einflüsse auf sein Leben waren vielfältig. Vielleicht ließ ihn gerade die elterliche Lässigkeit und die Null-Druck-Erziehung vieles in der Welt mit erstaunter Neugier betrachten? Jedenfalls spricht das aus seiner Beobachtung und Analyse der „Manasphere“ – der Welt, in der die angeblich echten Männer zuhause sind.
Erkenntnisse im Männer-Camp
Entstanden ist daraus seine aktuelle Bühnenshow Nobody Alpha Drift und sein unterhaltsames und gut recherchiertes Buch Alpha-Boys. Darin räumt er unter anderem mit dem Mythos des angeblich ursprünglichen „Alpha“-Leitwolfs auf. Denn selbst im Wolfsrudel geht es viel mehr um das Zusammenleben als um die Dominanz eines Tieres: Ein wissenschaftlicher Fehler führte einst zu der These, ein Wolf müsse immer der Anführer sein. Trotzdem wird die widerlegte Alpha-These immer noch auf Menschen und vor allem auf Männer übertragen.
Aurel setzt sich intensiv auseinander mit dem Bild des harten, durchsetzungsfähigen Erfolgstypen, der jedes Hindernis – auch in sich selbst – aus dem Weg räumt auf dem Weg zum Ziel: Ein absoluter Alpha zu werden. Er zieht dazu in ein balinesisches Männer-Camp, lässt viele eigene Erfahrungen Revue passieren und stellt fest, dass sein eigener Vater ihm ein dominantes Männervorbild nie lieferte. Stattdessen: „Meine Mutter. Die stärkste Person, die ich kenne.“
Mangel oder Vorteil? Die Antwort ist eindeutig. Denn auf der „harten Tour“ beschädigen sich Männer selbst, unterdrücken ihre Emotionalität und ernten dafür Selbsthass.
Gerade auch Aurels Erfahrungen mit rassistischer Anfeindung sind aufschlussreich: Der weiße Chef, der im schwarzen Gegenüber einen möglicherweise überlegenen Konkurrenten wittert … Angst speist den Hass.
In dieser Krise des traditionellen Mannes versprechen Coaches, Influencer und autoritäre Politiker Erlösung auf dem Weg zum dominanten Alpha. Aurel entlarvt sie als Profiteure: Sie maximieren nur ihren eigenen Gewinn, finanziell ebenso wie politisch.
Aurel stellt dagegen eine Definition von Männlichkeit, in der es Erfüllendste ist, Verantwortung für andere zu übernehmen. Mit großer Lust an der Sprache plädiert er dafür, sich lieber von Katzen coachen zu lassen, denn es sei einfach erdend, sich nicht immer nur nach Menschen zu richten, sondern nach der Uhr von Katzen. Katzenlady? Oder Katzenpapa!