30. Internationales Solo-Tanz-Theater Festival

11.–15. März 2026
Treffpunkt Rotebühlplatz, S-Mitte
www.solo-tanz-theater.de
www.vhs-stuttgart.de

 

Guy Kah in Sommeil Ambulant.
Foto: Mariann Menke
Ausgabe: März 2026

Internationales Solo Tanz Theater Festival Stuttgart

30 Jahre jung und voller Träume

Stuttgart bittet zum Tanz um die Welt. Am 11. März 2026 beginnt ein Festival, das seit 30 Jahren zeigt, wie politisch, poetisch und überraschend zeitgenössischer Tanz sein kann – eröffnet von der freien Tanzszene der Stadt.

„Der Tanz denkt mit“, sagt Marcelo Santos, künstlerischer Leiter und Gründer des Internationalen Solo Tanz Theater Festivals. Es gehe nicht nur um Bewegung, sondern auch um Struktur, Licht, Musik und Requisiten. „Die Stücke müssen eine Handlung, ein Thema und eine Dramaturgie haben.“ Vor 30 Jahren beendete Marcelo Santos seine eigene Laufbahn als Tänzer. Aufhören wollte er nicht. „Ich habe gemerkt, dass es weltweit keinen Wettbewerb für zeitgenössischen Solotanz gibt.“ Also gründete er einen. Jährlich treffen rund 230 Festival-Bewerbungen aus aller Welt ein. Ausgewählt werden 18 Choreografien. Die Entscheidung trifft ein Kuratorium aus vier Personen: Marcelo Santos, Festivalleiterin Elly Walch, Kulturjournalistin Petra Mostbacher-Dix und Kulturmanagerin Birgit Brinkmann. „Dass sich der Wettbewerb 30 Jahre lang hält, immer mehr an Qualität gewinnt, sich weiterentwickelt und dennoch jung bleibt, hätte ich damals nicht zu träumen gewagt“, sagt Santos.

„Die Proben kurz vor der Veranstaltung sind anspruchsvoll“, erklärt Festivalleiterin Elly Walch. „Die Künstler*innen reisen oft erst unmittelbar vor dem Festival an.“ Allen Tanzenden blieben dann jeweils 75 Minuten Probezeit. „Durch die langjährigen Erfahrungswerte und die Tatsache, dass wir im Vorfeld ausführliche Informationen zu Licht, Ton, Requisiten und weiteren Anforderungen einholen, sind wir aber gut eingespielt und wissen, wie wir mit diesen Abläufen umzugehen haben.“

Eine Unwägbarkeit bleibt, wie die Festivalleiterin einräumt: „Besonders spannend ist jedes Jahr die Frage, ob alle Teilnehmenden, die ein Visum für die Einreise benötigen, dieses rechtzeitig erhalten.“ In manchen Ländern sei dies sehr langwierig. „Wir verschicken unsere Zusagen drei Monate vor dem Festival. In den letzten zwei Jahren hat das immer geklappt“, freut sich Walch. Die internationale Veranstaltung steht unmittelbar bevor.

„So jung und innovativ wie am ersten Tag“

Zeitgenössischer Tanz, sagt Santos, halte sich in seiner Bewegungssprache nicht an starre Muster wie das klassische Ballett. „Letzteres ist auf der ganzen Welt nahezu gleich. Zeitgenössischer Tanz bildet die Zeit ab, aber auch das Land, aus dem er stammt. Deshalb ist es so spannend, Tänzer*innen aus der ganzen Welt einzuladen.“ Themen und Ausdrucksformen veränderten sich ständig. Entscheidend sei nicht der Vergleich von damals und heute, sondern der Weg dazwischen. „Deshalb ist das Festival auch nach 30 Jahren so jung und innovativ wie am ersten Tag.“

In 30 Jahren haben sich viele Bilder eingebrannt, „verrückte Sachen, die lebhaft in Erinnerung geblieben sind“ erinnert sich Marcelo Santos. „Einmal hatten wir Eier auf der Bühne, die von oben herabgestürzt sind, hunderte von Äpfeln, die von der Seite auf die Bühne hereingerollt wurden, Honig, Erde und: ein Fisch in einem Wasserbeutel. Bei dieser Performance sprang aus dem Publikum ein Tierschützer auf die Bühne und entriss dem Tänzer den Fisch, der sich dann als perfekter Roboterfisch entpuppte.“

International ist das Festival längst bekannt. In diesem Jahr gingen 226 Bewerbungen aus 56 Ländern ein. Unter anderem aus Frankreich, Tschechien, Belgien, China, USA, der Elfenbeinküste Israel, Puerto Rico und Neuseeland. Zugelassen sind Nachwuchschoreograf*innen bis 30 Jahre mit einem zeitgenössischen Solostück mit eigener Bewegungssprache.

Inhaltlich sind die Stücke nah an der Gegenwart. 2026 geht es unter anderem um Künstliche Intelligenz, Migration, Emanzipation, Psychische Belastung, Queerness und Identität. In Just an ordinary woman von Natasa Frantzi ringt eine Frau – getanzt von Valentina Di Lullo – mit den Erwartungen an Ehe, Beruf und Mutterschaft, bis der Körper selbst widerspricht. Primal Echoes von Valerio Lurato fragt, was vom Menschen bleibt, wenn Superintelligenz schneller denkt als der Körper fühlen kann. Und in Sommeil Ambulant verarbeitet Guy Roland Kah die Traumata von Cyberkriminalität.

Sie alle stellen sich einer renommierten Jury. Dieses Jahr besteht sie aus Itzik Galili (Israel, Choreograf), Fernando Melo (Brasilien, Choreograf, Regisseur), Olga Roriz (Portugal, Choreografin, Tänzerin und Direktorin Companhia Olga Roriz), Erika Silgoner (Italien, Choreografin) und Lucy Van Cleef (USA, Leitung Dramaturgie und Publikationen, Stuttgarter Ballett).

Spielort ist der Treffpunkt Rotebühlplatz, einer der Hauptveranstaltungsorte der vhs stuttgart. Den Auftakt macht Stuttgart Solo Choreo, eine Veranstaltung der Freien Stuttgarter Tanzszene in Kooperation mit dem Produktionszentrum Tanz und Performance e. V. Die Finalistinnen und Finalisten werden am Samstagabend, 14. März, bekannt gegeben. Das Finale folgt am Sonntag, 15. März, ab 17 Uhr. Einen Live Stream gibt es auf www.solo-tanz-theater.de.